MORDFALL FABIAN: Seine Aussage ist die Wende, die alles verändert!

Mordfall Fabian: Nachbar wurde mit freizügigen Fotos „bei Laune gehalten“

Im Prozess gegen Fabians mutmaßliche Mörderin hat ihr wichtigster Nachbar ausgesagt – viele Details dürften die Angeklagte jetzt stark belasten.

Rostock/Güstrow  Lesedauer: 5 min.

Im Prozess um den Mord an dem achtjährigen Fabian hat der wichtigste Nachbar der Angeklagten über Stunden am Landgericht Rostock ausgesagt. Das Ergebnis: Der 58-jährige Zeuge berichtete von falschen Alibis, die man auf Ihr Drängen hin abgesprochen hatte, wie die Frau bei ihm Schuhe abgegeben hat, damit diese nicht bei ihr gefunden werden und davon, wie sie ihn unter anderem mit freizügigen Fotos „bei Laune gehalten hat.“

Zeuge wollte mehr als Freundschaft von Gina H.

Der Verkehrstechniker lebt seit 2020 in Reimershagen und hat der Pferdesportlerin täglich bei der Versorgung ihrer Pferde und Ponys geholfen. Er habe sich auch mal mehr davon versprochen, räumte der allein lebende Zeuge ein. Doch dazu sei es nicht gekommen. Dass die Frau ihn benutzt haben könnte, das habe er aber erst später gemerkt. Inzwischen hat er den Kontakt völlig abgebrochen.

Im Video oben berichtet unsere Reporterin vom aktuellen Prozesstag.

Der 58-Jährige ist bereits der zweite Zeuge, der schon am Abend des 13. Oktober – am 14. Oktober wurde die Leiche von Fabian erst gefunden – mit der Angeklagten am Tatort war. „Sie hat mich abends angerufen und gesagt, dass sie mit mir sprechen müsste, aber nicht am Telefon“, sagte der Nachbar am Dienstag im voll besetzten Saal in Rostock.

+++ Fabians Mutter zuliebe: eindringliche Forderung an Angeklagte +++

Etwa 20 Minuten nach dem Anruf sei sie bei ihm aufgetaucht. Sie habe gesagt, dass sie nicht sicher sei, was sie dort an dem Wasserloch vorher mit dem anderen Mann – einem 37-jährigen Bekannten – genau gesehen hat und ob wir nicht noch einmal dahinfahren können. Er habe eine Taschenlampe mitgenommen und sei mit ihr gegen 23.00 Uhr zu dem Tümpel bei Klein Upahl gefahren. Sie habe den Weg durch den Wald gekannt.

Die Aussage des Nachbarn wird als sehr wichtig eingeschätzt, da er den engsten Kontakt zu ihr hatte. Fabian galt seit dem 10. Oktober als vermisst. Die Angeklagte, der heimtückischer Mord vorgeworfen wird, hat der Polizei erst am 14. Oktober vormittags von dem Leichenfund berichtet. Sie gab anfangs an, die Leiche an jenem Morgen bei einem Spaziergang mit einer Freundin erst gefunden zu haben. Später kam heraus, dass sie schon mit zwei Männern vorher da war. Im Prozess schweigt sie bisher dazu.

Gina H. sprach schon von Alibi, als Fabian noch als vermisst galt

Als man damals an dem Tümpel ankam, habe er die Leiche mit der Taschenlampe angeleuchtet. „Da hab ich halt den Jungen liegen sehen.“ Die Angeklagte habe ihn dann gebeten, dem Toten noch einmal ins Gesicht zu leuchten. Da habe sie gesagt, es sei Fabian, „hundertprozentig.“ Die Leiche des Jungen war zu großen Teilen schwarz verrußt oder verkohlt, bis auf das Gesicht. Allerdings lag die Leiche wohl noch anders da, als der Zeuge da war. Das sagte er, als er die Bilder der Polizei von dem Fund am Tümpel im Prozess sah. Hintergrund könnten Wildtiere gewesen sein, die an dem Leichnam gewesen sein sollen.

Nach dem Fund sei man zurückgefahren. Am nächsten Morgen, dem 14. Oktober, sei er zur Angeklagten hinübergegangen und habe gesagt, er wolle „mit der Geschichte nichts zu tun haben.“ Vielleicht könne sie sich etwas anderes überlegen. Später erzählte die Angeklagte der Polizei doch davon.

„Wichtig war ihr immer, dass ich sagen sollte, wir waren fast den ganzen 10. Oktober, den Tattag, zusammen“, erläuterte der Zeuge. Im Prozess wurden Telefongespräche abgespielt, in denen die Angeklagte immer wieder genau den Ablauf für das Alibi vorgab. Sie hätten am 10. Oktober morgens zusammen die Pferde versorgt, sie sei nur „eine Stunde weg gewesen, mit dem Hund“ und dann noch einmal zwei Stunden, um sich mit dem anderen Bekannten zu treffen. Inzwischen sind alle diese Abläufe widerlegt. Als besonders widersprüchlich wird auch eingestuft, dass die Angeklagte bereits am 11. Oktober einem Bekannten gegenüber davon gesprochen hat, dass sie ja ein Alibi habe. „Zu der Zeit war das Ganze ja noch ein Vermisstenfall, alle suchten Fabian“, fragte Richter Holger Schütt den Zeugen.

Ermittler hatten Gina H. schon viel früher im Visier

Im Prozess wurde jetzt erstmals bekannt, dass die Polizei die 30-Jährige bereits am 16. Oktober als „Beschuldigte“ eingestuft und dann auch ihre Telefongespräche abgehört hat. In diesen langen Telefongesprächen habe man immer wieder erörtert, wie man sich gegenseitig ein Alibi gibt. Die Angeklagte erzählte dabei auch, dass sie von einem „Ermittler“ erfahren habe, dass der Vater von Fabian, ihr Ex-Freund, zeitweise des „gemeinschaftlichen Mordes“ an Fabian verdächtigt wurde. Dabei soll sie die zweite Verdächtige sein, was natürlich nicht stimme. Die 30-jährige Angeklagte sprach dabei auch davon, dass sie sich nicht von einem psychiatrischen Gutachter untersuchen lassen will, wie es die Staatsanwaltschaft vorhatte. Ein solcher Gutachter verfolgt nun auch den Prozess. Die Frau ist wegen eines psychischen Leidens schon mehrere Jahre erwerbsunfähig und berentet.

Der 58-jährige Nachbar erläuterte am Ende, dass er schließlich zu dem Schluss gekommen sei, dass er nur ausgenutzt wurde. Seit der Verhaftung der Frau Anfang November habe er den Kontakt abgebrochen. „Ich dachte schon nach dem nächtlichen Besuch am Tümpel damals, da kann etwas nicht stimmen.“

Die Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft den Jungen am Freitag, den 10. Oktober 2025 mit ihrem orangen Ford Ranger zu Hause in Güstrow abgeholt haben, wo er wegen Kopf- und Bauchschmerzen allein war. Sie soll mit ihm an das einsame Wasserloch bei Klein Upahl gefahren sein und ihn dort erstochen haben, um ihre jahrelange Beziehung zu seinem Vater zu retten.

Um Spuren zu verwischen, soll der Leichnam später noch in Brand gesetzt worden sein. Im Prozess schweigt die 30-Jährige bisher dazu. Sie und Fabians Vater waren über mehr als vier Jahre ein Paar, hatten sich aber auch mehrfach getrennt und wieder versöhnt. Zur Tatzeit sollen sie getrennt gewesen sein. Durch ihr Verhalten nach der Trennung im August und zwischen dem 10. und 14. Oktober sowie unzählige Chatnachrichten mit dem Vater Fabians, anderen Bekannten und weitere Indizien geriet sie unter Verdacht.

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