„Sie hat mich als Alibi benutzt“: Zeugin im Mordfall Fabian macht Angeklagter Vorwurf und bricht in Tränen aus

Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an Fabian berichtet eine Zeugin von der Fahrt zum Leichenfundort. Die Angeklagte soll angeblich alles vorher geplant haben. Sie will sich nun doch selbst äußern.

Rostock/Güstrow  Lesedauer: 4 min.

Im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow hat die Verteidigung für den 6. August eine Einlassung der Angeklagten angekündigt. Damit reagierte Anwalt Thomas Löcker auf eine Forderung von Oberstaatsanwalt Harald Nowack, der am letzten Prozesstag „Klarheit für die Hinterbliebenen“ verlangt hatte.

Mordfall Fabian: Angeklagte möchte eine Aussage machen

Allerdings hatte Anwalt Löcker im Gespräch mit dem Nordkurier schon deutlich gemacht, dass seine Mandantin das wohl nicht leisten könne. Denn sie bestreitet, mit dem Mord etwas zu zu tun zu haben. Das Landgericht Rostock will für die Aussage der 30-jährigen Pferdesportlerin aus Reimershagen voraussichtlich den Vormittag des 6. August, und damit den ersten Verhandlungstag nach der Prozesspause im Juli, einplanen, erklärte Richter Holger Schütt am Donnerstag (18. Juni).

Zum Umfang der Erklärungen machte Anwalt Löcker noch keine konkreten Angaben. Man wolle sich „an der Anklageschrift langhangeln“. Am 13. Prozesstag sagte zudem eine weitere Zeugin – eine Frau aus Krakow am See, mit der die Angeklagte befreundet war – aus. Mit ihr war die Angeklagte morgens am 14. Oktober am Fundort der Kinderleiche, bevor die Polizei überhaupt davon wusste.

„Im Nachhinein denke ich, sie hat mich als Alibi benutzt“, sagte die 52-jährige Rentnerin, die nun keinen Kontakt mehr zur Angeklagten hat. Sie war die Nachbarin in dem Mehrfamilienhaus in Krakow, in dem die Angeklagte, ihr Kind und der Ex-Freund, der Vater von Fabian, bis zur Trennung im Sommer 2025 wohnten. Der 30-jährigen Angeklagten, die bisher im Prozess schweigt, wird heimtückischer Mord vorgeworfen.

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Mordfall Fabian: Der Junge verschwand am 10. Oktober aus der Wohnung der Mutter in Güstrow

Fabian verschwand am 10. Oktober aus der Wohnung der Mutter in Güstrow, wurde erstochen und seine Leiche später an dem Tümpel bei Klein Upahl angezündet. Die Angeklagte war bereits am 13. Oktober zweimal mit Bekannten an dem Tümpel, verschwieg das aber der Polizei zunächst. Außerdem hatte sie in Chatnachrichten vorher immer wieder bedauert, dass ihr Ex-Freund, der Vater Fabians, sie nicht auf der Suche nach dem seit 10. Oktober vermissten Jungen mitgenommen hatte.

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Die Leiche des Jungen wurde von der Polizei am 14. Oktober gefunden. „Sie hat mich morgens angerufen und gesagt: ‚Wir haben Fabian gefunden, er ist tot’“, erzählte die 52-jährige Zeugin am Landgericht Rostock. Die Angeklagte habe gesagt, man müsse nochmal dorthin gehen, weil sie ja nicht sagen dürfe, dass sie mit den „Jungs“ vorher schon da war. Dann folgte die Fahrt mit der Hündin der Zeugin zu dem Tümpel. Dort sei die Angeklagte allein mit den Hunden zu dem Wasserloch gegangen, weil die Zeugin nicht so weit laufen konnte.

Mordfall Fabian: Zeugin sagt unter Tränen im Gerichtsprozess aus

„Und ich wollte das auch nicht sehen“, erklärte sie. Als die 30-Jährige zurückkam, habe sie noch grausige Details von Wildfraß an dem Toten berichten wollen, „das wollte ich nicht hören“. Erst danach rief die Angeklagte die Polizei an, verschwieg aber, dass sie schon vorher nachts mit zwei Männern an dem Fundort gewesen war. Mit den „Jungs“, die mit dem Fall nichts zu tun haben wollten, sind ein Bekannter und ein Nachbar der Angeklagten gemeint, die sich beide Hoffnungen auf ein intimes Verhältnis gemacht haben sollen.

Man habe die Polizei nach dem Anruf in Klein Upahl getroffen und zu dem Tümpel geführt. Sie habe nicht verstanden, dass die Angeklagte damals partout ihr Handy erst nicht herausgeben wollte. Als Begründung sagte die Angeklagte damals, dass auf dem Handy Dinge wären, die die Polizei nicht sehen müsste. Als die Polizei mit der Angeklagten wegfuhr, erzählte die 52-Jährige den Beamten alles, was sie wusste

Die Zeugen-Anhörung musste zeitweise unterbrochen werden, weil die 52-Jährige in Tränen ausbrach, als sie sehr emotional vom Tag des Fundes berichtete. Das Verhältnis zwischen der Angeklagten und ihrem Ex-Freund, Fabians Vater, bezeichnete die Zeugin als „harmonisch bis Eskalation“. Die Angeklagte habe Fabian zuerst gern zu Gast gehabt. Später sei es ihr aber so vorgekommen, dass Fabian von seiner leiblichen Mutter „am Wochenende nach Krakow zu ihr abgeschoben wird“. Zumal Fabians Vater kaum da war, da er immer zusätzlich arbeitete.

Mordfall Fabian: Zeugin beschreibt Verhältnis zwischen der Angeklagten und dem Vater des Jungen

Es habe oft Streit gegeben, erzählte sie: „Sie konnten nicht miteinander, sie konnten auch nicht ohne einander.“ Für die Angeklagte kamen immer die Pferde „an erster Stelle“, sagte die Zeugin. Laut Anklage geriet die Pferdesportlerin wegen einer ganzen Reihe von Indizien unter Verdacht. Sie wurde Anfang November 2025 in U-Haft genommen. Die Staatsanwaltschaft sieht als Motiv, dass die angeklagte Frau ihre jahrelange Beziehung mit Fabians Vater doch noch retten wollte. Der Mann glaubt immer noch an ihre Unschuld, wie er im Prozess sagte – und er versorgt weiter die Pferde und Ponys der 30-Jährigen. Eine Tatwaffe wurde nicht gefunden.

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