Fall Fabian: Abgehörtes Telefonat offenbart neue Details im Mordprozess
Bereits kurz nach dem Fund der Leiche des achtjährigen Fabians aus Güstrow im vergangenen Oktober geriet die im Mordprozess angeklagte Gina H. unter Druck. Sie beklagte damals, “durch die Hölle” gegangen zu sein.
Die im Mordfall Fabian angeklagte Gina H. hat kurz nach dem Fund des toten Jungen am 14. Oktober vergangenen Jahres beklagt, “durch die Hölle gehen zu müssen”. Der Verlust des Kindes sei schlimm genug, aber sie erlebe wegen der Nachforschungen verschiedener Journalisten und der Vorverurteilungen in den sozialen Medien einen “Albtraum”.
Derart schilderte die 30-Jährige dem Vater Fabians, mit dem sie vier Jahre liiert war, ihre Situation zwei Tage nachdem sie der Polizei gemeldet hatte, sie habe Fabian zusammen mit einer Freundin zufällig während eines Spaziergangs an einem Tümpel in Klein Upahl (Landkreis Rostock) entdeckt. Das von den Ermittlern abgehörte Telefonat wurde am Dienstag während des Prozesses gegen Gina H. im Landgericht Rostock abgespielt.
“Zu ehrlich” um Fund zu verschweigen
Im Nachhinein wünschte sie sich einerseits, den Fund nicht gemeldet zu haben – dann wäre auch kein Shitstorm über sie hereingebrochen. Aber wie sie Fabians Vater sagte, sei sie andererseits “zu ehrlich”, um ihre Entdeckung zu verschweigen, zumal ihr wichtig gewesen sei, dass Fabians Vater Gewissheit über das Schicksal seines Sohnes bekommt. Fabians Vater hatte indes von der Polizei und nicht von Gina H. vom Tod Fabians erfahren.
Auch während des abgehörten Telefonats präsentierte Gina H. ihm keineswegs alle Details über ihren Fund, der ein “scheiß verkackter Zufall” gewesen sei. Selbst die Ermittler wussten damals bereits, dass die Angeklagte Fabian nicht erst während eines Spaziergangs gefunden hat. Sie war in der Nacht zuvor zusammen mit zwei Bekannten am Fundort der Leiche, nachdem sie gezielt auf dem Feld bei Klein Upahl gesucht hatten.
Angeklagt wegen heimtückischen Mordes
In dem Telefonat mit Fabians Vater betonte Gina H., sie habe Fabian nichts angetan und “hätte auch keinen Grund dazu”. Die 30-Jährige war vier Jahre lang die Lebensgefährtin von Fabians Vater. Er hatte sich im August 2025 von ihr getrennt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr heimtückischen Mord vor, denn sie habe Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt, ihn bei Klein Upahl erstochen und die Leiche angezündet. Die Ermittler vermuten, dass Gina H. glaubte, Fabian stünde ihr bei ihrem Versuch im Wege, Fabians Vater wieder für sich zu gewinnen.
Zeitfenster für ein mögliches Treffen
Eine der ungelösten Fragen in diesem Prozess lautet: Wie könnte es Gina H. geschafft haben, Fabian aus der Wohnung seiner Mutter zu locken? Sie hatte als Freundin seines Vaters viel Kontakt mit dem Kind. Dem Achtjährigen war am Tag seines Verschwindens am 10. Oktober unwohl, deshalb war er allein zuhause. Ein Ermittler präsentierte vor Gericht nun eine mögliche Antwort. Es gebe ein kleines Zeitfenster, in dem sich Gina H. und Fabian bereits am Nachmittag vor seinem Verschwinden in Güstrow getroffen haben könnten.
Termin mit falscher Begründung abgesagt
Der Junge war demnach auf dem Weg von einem Klassenkameraden zum Jugendklub. Das Auto von Gina H. wurde in diesem Zeitraum in einer Parklücke beobachtet, an der der Junge auf seinem Weg vorbeigekommen sein könnte. Die Ermittler halten es für denkbar, dass Gina H. hier Kontakt zu Fabian aufnahm – ohne dass er davon später seiner Mutter erzählt hat. Die Angeklagte hatte zu diesem Zeitpunkt einen Termin in Güstrow. Den hatte sie mit der falschen Behauptung, ihr eigener Sohn sei krank, abgesagt, so der Ermittler vor Gericht.
Der Prozess wird am Freitag vorgesetzt. Das Gericht will einen Fallanalytiker und weitere Polizisten als Zeugen hören.






