Mordfall Fabian: Gina H. führte den Zeugen zur Leiche
Wer hat Fabian aus Güstrow getötet? Am Freitag sagte ein Zeuge vor Gericht aus. Was er berichtet, spitzt die Vorwürfe gegenüber der Angeklagten erheblich zu.
Rostock – Am elften Verhandlungstag im Prozess um den getöteten achtjährigen Fabian betrat am Freitag, 12. Juni 2026, ein Zeuge den Gerichtssaal, dessen Aussage die Darstellung der Angeklagten ins Wanken bringen könnte. Das Gericht hatte die Aussage bereits im Vorfeld angekündigt. Der Mann gilt als erste Person, die gemeinsam mit der beschuldigten Frau am Fundort war.

Nach eigener Darstellung will die Angeklagte am 14. Oktober 2025 während eines Spaziergangs mit ihrem Hund rein zufällig auf den leblosen Körper des Jungen gestoßen sein, sie habe daraufhin die Polizei alarmiert. Doch der nun geladene Zeuge könnte diese Version widerlegen. Seinen Angaben zufolge führte ihn die Frau bereits zuvor an den Tümpel. Zu einem Zeitpunkt, als Fabian noch als vermisst galt.
Angeklagte könnte gleich mehrere Personen zum Tümpel geführt haben
Schon Anfang des Jahres hatte sich ein Mann bei RTL gemeldet und von genau diesem Moment berichtet. Die nun Angeklagte habe ihn eines Abends zu dem Gewässer gebracht, während die Suche nach dem Kind noch lief. Nach der Entdeckung brach er nach eigenen Worten den Kontakt zu seiner Bekannten ab. Ob es sich bei dem damaligen angeblichen Zeugen um denselben Mann handelt, der nun vor Gericht aussagte, bleibt bislang unklar.
Der Zeuge könnte nämlich nicht der einzige sein, der von der Angeklagten zum Tümpel geführt wurde. Das Gericht kündigte bereits im Vorfeld für den nächsten Prozesstag am 16. Juni einen Zeugen an, der mit der nun Angeklagten als Zweiter am Fundort gewesen sein soll. Am 18. Juni wird dann die Zeugin erwartet, die als Dritte mit der Angeklagten am Fundort gewesen sein soll. Bei diesem Treffen wurde dann die Polizei über den Fund informiert. Ein Polizist schilderte an einem vorherigen Prozesstag bereits, was ihn im Nachhinein stutzig gemacht habe.
Am Freitag erzählte nun der Mann, der mit der Angeklagten als Erster am Fundort gewesen sein will, seine Sicht auf die Dinge. Zahlreiche Medien berichteten aus dem Gerichtssaal. Demnach habe der Zeuge zu Beginn seiner Aussage erst einmal erklärt, die Angeklagte seit Jahren vom Sehen im Dorf zu kennen. Laut Stern habe es dann für etwa vier Wochen „etwas mehr Kontakt“ gegeben. Er selbst würde den Kontakt als freundschaftlich bezeichnen, erzählt habe er davon jedoch niemandem. Nicht einmal seine Ehefrau habe davon und von den rund zehn Treffen gewusst. Er habe keine Lust auf Gerede aus dem Dorf gehabt. Er habe für die Angeklagte ein offenes Ohr gehabt, jedoch keine anderen Absichten gehegt.
In seiner Aussage berichtet der Zeuge detaillierter vom Kontakt mit der Angeklagten. So habe sie für gewöhnlich recht schnell auf seine Nachrichten geantwortet. Außer am 10. Oktober. An diesem Tag seien die Nachrichten des Mannes an die Angeklagte nicht herausgegangen. Das berichtet unter anderem das Redaktionsnetzwerk Deutschland aus dem Gerichtssaal.
Zeuge will sich auch am Tag von Fabians Verschwinden mit Angeklagter getroffen haben
Der Zeuge habe vor Gericht zugegeben, sich auch am Tag von Fabians Verschwinden mit der Angeklagten getroffen zu haben. Diese habe ihn mittags angerufen und gefragt, ob sie sich treffen könnten. Am Telefon habe sie bedrückt gewirkt, beim Treffen selbst dann niedergeschlagen und nervös. So berichtet es die Bild aus dem Gerichtssaal. Sie habe ihm erklärt, warum sie zuvor nicht erreichbar gewesen sei. Grund dafür sei der Spaziergang mit ihrem Hund gewesen, dabei habe sie keinen Empfang gehabt.
Und auch am 13. Oktober will sich der Zeuge mit der Angeklagten getroffen haben. Zu diesem Zeitpunkt galt Fabian noch immer als vermisst. Wie unter anderem die Bild aus dem Gerichtssaal berichtet, habe die Angeklagte die Idee gehabt, nach Fabian zu suchen. Und zwar in der Gegend der Wälder bei Klein Upahl. Eine Wärmebildkamera sollte die Suche unterstützen, eine solche habe der Zeuge als Jäger besessen. Am Abend gegen 21.30 Uhr habe er die Angeklagte abgeholt. Zu diesem Zeitpunkt sei es bereits dunkel gewesen. Er selbst habe über die Wärmebildkamera jedoch nur Wild und einen Fuchs erkannt. Als er schon wieder ins Auto habe steigen wollen, habe die Angeklagte jedoch vorgeschlagen, weiterzusuchen. Die junge Frau sei dann vor ihm gegangen, in Richtung Tümpel gelaufen.
Zeuge ist sich sicher: Angeklagte soll gewusst haben, „wo sie hinwollte“
Im Nachhinein sei sich der Zeuge sicher, dass die Angeklagte gewusst habe, „wo sie hinwollte“. So zitiert die Bild den Zeugen. Kurz darauf habe sie gesagt „Hier ist was!“. Während er selbst nichts erkannt und zunächst gedacht habe, es handele sich um ein Rohr, habe die Angeklagte gesagt: „Hier liegt was, das ist er“. Obwohl die Angeklagte ihn dann gefragt habe, ob sie die Polizei informieren sollten, habe er selbst nur noch weggewollt. Die Polizei hatten beide nicht informiert, im Auto habe dann Totenstille geherrscht. Daraufhin will der Zeuge die Angeklagte bei einem Bekannten abgesetzt haben. Laut dem Stern soll es sich bei diesem Bekannten um den Zeugen handeln, den die Angeklagte noch am selben Abend ebenfalls an den Ort geführt haben soll.
In seiner Aussage erklärte der Zeuge am Freitag zudem, dass er selbst noch am 14. Oktober mit der Polizei gesprochen habe. Er habe sich nach dem Treffen von der Angeklagten benutzt gefühlt. So berichtet es der Stern aus dem Gerichtssaal. Er glaube, die Angeklagte habe gewusst, wohin sie wollte. Er habe dann den Kontakt zu ihr abgebrochen.
Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-Jährigen vor, das Kind mit sechs Messerstichen getötet und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben. Die Frau sitzt seit November 2025 in Untersuchungshaft und schweigt bislang zu den Vorwürfen. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Nach einer vorübergehenden Trennung ist sie wieder mit Fabians Vater liiert, der nach eigenen Worten an ihre Unschuld glaubt. Gegen ihn wird mittlerweile wegen Falschaussage ermittelt. (Quellen: Stern, Bild, dpa, RND) (jl)









