Schock am neuesten Verhandlungstag: Die Vorwürfe richten sich direkt gegen Gina H. – jetzt kann sie ihre Schuld nicht mehr leugnen!

Elfter Prozesstag im Fall Fabian aus Güstrow: Vor dem Landgericht Rostock spricht ein Zeuge über die entscheidenden Minuten am Tümpel. Alle Entwicklungen im Minutenprotokoll.
Im Prozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow hat am Freitag der elfte Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock stattgefunden. Ein einziger Zeuge war geladen, dessen Aussage aber von großer Bedeutung ist. Es handelt sich um Christian D., der von der Angeklagten Gina H. zur Leiche des Jungen an einen Tümpel bei Klein Upahl geführt wurde – noch vor dem eigentlichen Fund der Leiche einen Tag später.
Die Anwältin von Fabians Mutter, Christine Habetha, hatte im Interview mit t-online gesagt, der Zeuge sei auch deshalb wichtig, weil sich durch seine Aussagen Rückschlüsse auf mögliches Täterwissen von Gina H. ergeben könnten. Sie soll den kleinen Fabian mit sechs Messerstichen getötet haben, um einen Streitpunkt in ihrer Beziehung mit Fabians Vater aus dem Weg zu räumen, so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft. Für die 30-Jährige gilt die Unschuldsvermutung. Der komplette Prozesstag zum Nachlesen im Minutenprotokoll.
- Anwältin der Mutter: “Dann haben wir Täterwissen – wichtige Zeugen im Fall Fabian erwartet
- Alle aktuellen Informationen: Mordfall Fabian – Junge aus Güstrow getötet
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14.43 Uhr: Und damit ist der elfte Prozesstag im Fall Fabian beendet. Am Dienstag soll es weitergehen. Dann sagt Olaf K. aus, der zweite Tümpelzeuge, der von Gina H. zum Fundort der Leiche geführt worden sein soll.
Schlussworte von Staatsanwaltschaft und Verteidigung
14.42 Uhr: Jetzt hält auch Gina H.s Verteidiger Thomas Löcker sein Schlusswort: “Das alles haben wir von einem Zeugen gehört, der sein Erinnerungsvermögen mit 70 Prozent angibt. Was haben wir heute gehört? Die 70 oder die 30 Prozent? Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen”, so Löcker.
14.39 Uhr: Nowack fasst die aus seiner Sicht wichtigsten Punkte des Prozesstages zusammen. Die Angeklagte sei bereits vor dem 14. Oktober am Fundort der Leiche gewesen. Die Initiative, genau dort zu suchen, sei von ihr ausgegangen. Der Zeuge habe das “wenig nachvollziehbar” gefunden. “Sie hat ihm genau den Weg gezeigt”, so Nowack. “Er fühlte sich im Nachhinein ausgenutzt.” Außerdem betont Nowack noch einmal, dass dem Zeugen aufgefallen sei, dass seine Nachrichten am Tattag nicht zu Gina H. durchgekommen seien. “Genau zu dem Zeitpunkt, als Fabian vermutlich getötet wurde”, so Nowack. Gina H. soll in dem Zeitraum ihr Handy ausgeschaltet haben.
14.36 Uhr: Nach fünf Stunden hat der Zeuge Christian D. es geschafft: Er wird vom Vorsitzenden Richter entlassen. Jetzt können noch Erklärungen abgegeben werden. Oberstaatsanwalt Harald Nowack fängt an.
Anwalt greift Zeugen an: “Eiern Sie hier nicht rum”
14.33 Uhr: Löcker greift den Zeugen jetzt massiv an, verschärft den Ton, wird lauter. Der Zeuge könne sich nicht erinnern, ob Gina H. im Auto am 13. Oktober auf der Fahrt weg vom Tümpel telefoniert habe oder nicht. Der Zeuge wirkt zunehmend genervt. “Eiern Sie hier nicht rum”, so Löcker in Richtung des Zeugen. “Ich eiere hier nicht rum”, antwortet dieser. “Sie müssen hier die Wahrheit sagen”, betont der Verteidiger.
14.28 Uhr: Nicht zum ersten Mal im Prozess im Fall Fabian geraten Thomas Löcker und Staatsanwalt Harald Nowack aneinander. Nowack sagt, dass das Erinnerungsvermögen im Laufe der Zeit nachlasse, “liege in der Natur der Sache”. Löcker kontert, er könne sich an bestimmte Details wohl sein Leben lang erinnern. Der Vorsitzende Richter geht dazwischen und ermahnt beide, die gegenseitigen Kommentare einzustellen.

14.25 Uhr: Thomas Löcker ist wieder am Zug. Er will wissen, wie der Zeuge sein Erinnerungsvermögen einschätzt. “70 bis 80 Prozent”, so seine Antwort. In einer Befragung bei der Polizei gab D. zu Protokoll: “Wenn ich noch ein paar Mal aussagen muss, dann sage ich vielleicht was anderes. Ich kann mir das alles nicht so lange merken.” Löcker hakt noch einmal nach. Offenbar will er testen, wie glaubwürdig der Zeuge tatsächlich ist.
14.19 Uhr: Andreas Ohm will noch einmal ganz genau wissen, was genau D. zum Zeitpunkt des Funds am Tümpel glaubte, gesehen zu haben. “Wussten Sie, was Sie da am Tümpel gesehen haben?” Der Richter geht dazwischen, diese Frage sei dem Zeugen nun bereits mehrfach gestellt worden. In einer Befragung soll D. allerdings laut Ohm von “Armen und Beinen” gesprochen haben. In einer weiteren Befragung soll D. gesagt haben: “Ich hatte schon realisiert, dass es menschlich war.” Jetzt, vor Gericht, beteuert D: “Für mich waren es Rohre.”
14.11 Uhr: Auch Löcker kommt es komisch vor, dass D. nach dem Fund am Tümpel nicht wissen wollte, was genau es damit auf sich hatte. “Sie sind doch Jäger und einiges gewohnt”, zitiert Löcker aus einer Befragung bei der Polizei. Dann will Löcker Unterlagen suchen und übergibt das Wort an seinen Kollegen, Verteidiger Andreas Ohm.
Fall Fabian: Gina H. roch bei Treffen wohl nicht nach Rauch
14.03 Uhr: Löcker will wissen, ob Gina H. bei einem Treffen am 10. Oktober, am Tattag, nach Rauch gerochen hat. “Weiß ich nichts zu”, antwortet der Zeuge. Gegenüber der Polizei gab er jedoch an, keinen Rauch wahrgenommen zu haben. Hintergrund: Gina H. soll die Leiche des Jungen laut Anklage verbrannt haben, allerdings erst nach dem Treffen mit dem Zeugen am Bolzsee.

14 Uhr: Auch Gina H.s Verteidiger Löcker fragt ebenfalls zum Verhältnis zwischen D. und H. “Sie waren schon der Meinung, dass sie mit Ihnen Sex haben wollte, oder?” Oberstaatsanwalt Harald Nowack passen die Fragen offenbar nicht, mehrfach geht er dazwischen und kritisiert, genau diese Fragen seien bereits mehrfach gestellt worden.
13.58 Uhr: Außerdem googelte der Zeuge Christian D. offenbar, ob Fingerabdrücke auf der Brandleiche nachzuweisen seien. Anwalt Thomas Löcker bringt Unstimmigkeiten an. In einer Vernehmung habe er gesagt, er habe die Leiche nicht angefasst. In anderen Vernehmungen habe er etwas anderes gesagt.
Anwalt von Gina H. macht Andeutung

13.47 Uhr: Jetzt ergreift Gina H.s Verteidiger Thomas Löcker das Wort und hat ebenfalls noch einige Fragen an den Zeugen Christian D. Löcker wundert sich, dass D. beim Aussteigen aus dem Auto nicht seine im Rucksack befindliche Lampe mitnahm. Es sei schließlich “stockdunkel” gewesen. “Erklären Sie mir das doch mal, warum Sie das Naheliegende nicht mitnehmen.” D. antwortet: “Weil ich eigentlich gar nicht loslaufen wollte.” Löcker: “Oder hatten Sie vielleicht doch eine Lampe dabei?” Der Zeuge verneint. Dann macht Löcker eine Ankündigung: “Dann warten wir mal ab, was Frau H. später dazu sagt.” Löcker hatte bereits in der vergangenen Woche in Aussicht gestellt, dass sich seine Mandantin im Laufe des Verfahrens noch äußern könnte.
Bizarre Szenen im Fall Fabian: Gelächter im Publikum
13.41 Uhr: Habetha und D. liefern sich eine angeregte Diskussion. Es geht wieder um das Verhältnis von D. und Gina H. Im September schickte H. eine Nachricht an D. “Ich gehe gleich mit Cleo (Anm. d. Red: ihrem Pferd) reiten, die darf ich wenigstens reiten.” D. antwortete: “Ja, ich verstehe deinen Wink schon, aber das bin ich leider nicht.” Habetha schlussfolgert: “Sie haben tapfer abgewehrt.” Im Publikum gibt es Gelächter. D. bleibt dabei: Die Anspielungen von Gina H. seien lustig und nicht ernst gemeint gewesen.
13.37 Uhr: Die Anwältin von Fabians Mutter, Christine Habetha, fragt den Zeugen noch einmal danach, wie unüblich der Ort der Suche nach seiner Ansicht gewesen sei. “Ich habe gesagt, es ist die Nadel im Heuhaufen, im Wald was zu finden”, sagt der Zeuge. Sein Plan sei es immer gewesen, nur vom Weg aus zu suchen. Doch Gina H. wollte es anders, wollte Richtung Tümpel herunter. “Ich bin einfach hinterher”, so D. Habetha fragt, ob der Zeuge den Ort der Suche auch als “absurd” empfindet. Das will er so nicht bestätigen. “Was war es, Herr D.? Was war es?” wiederholt Habetha. Das Wort “absurd” nennt D. jedoch nicht.

13.36 Uhr: Die Angeklagte Gina H. und ihre Verteidiger diskutieren wieder angeregt. Gina H. scheint unzufrieden, wieso, ist unklar.
13.31 Uhr: Nowack geht es noch einmal um die Situation am Tümpel. D. hatte angegeben, ihm sei der verbrannte Körper wie “schwarze Rohre” vorgekommen. Nowack will wissen, warum D. dann plötzlich wegwollte, nachdem Gina H. gesagt habe, “das ist er”. “Dann hat man doch den Drang, das aufzuklären”, so Nowack. “Woher wusste sie, dass er das war, und warum glauben Sie ihr das, obwohl sie mehrere Meter hinter Ihnen stand?” Nowack komme es komisch vor, dass D. nicht genau nachgeschaut hat.

13.28 Uhr: Oberstaatsanwalt Harald Nowack bohrt abermals wegen der Beziehung von D. zu Gina H. nach. “Wie würden Sie das mit einem Wort beschreiben?” – “Freundschaftlich”, antwortet D. Allerdings räumt er ein, dass er sonst mit Freunden nicht derart viele Nachrichten und Sprachnachrichten hin- und herschreibe. “Warum führt man eine solche Kommunikation, bei der man sich rund um die Uhr immer nur Probleme anhören muss? Warum tut man sich das an?”
Zeuge: Gina H. “hat gelacht, Späße gemacht”
13.20 Uhr: Staatsanwalt Oliver Schley fragt D. noch einmal nach der Stimmung der Angeklagten, als sie am 13. Oktober gemeinsam zum Tümpel gefahren sind. “Sie hat gelacht, Späße gemacht auf der Hinfahrt”, so D. Ihre Stimmung sei gut gewesen. Beim Aussteigen und Herunterlaufen Richtung Tümpel sei sie dann aber angespannt gewesen.
13.17 Uhr: Eine Schöffin hält D. eine Chatnachricht vom 13. Oktober spätabends vor. Darin schreibt sie: “Ich komm damit nicht klar.” Kurz zuvor hatte sie angekündigt, noch mit einem weiteren Mann, Olaf K., ebenfalls zum Tümpel gehen zu wollen.

13.12 Uhr: Der Vorsitzende Richter hat keine weiteren Fragen. Jetzt dürfen die übrigen Beteiligten Fragen stellen. Ein Schöffe fängt an und will von D. wissen, warum er Gina H. offenbar nach anzüglichen Fotos gefragt hat.
13.08 Uhr: Gina H. hatte sich offenbar durchaus mehr von der Freundschaft erhofft. “Du löst irgendwas in mir aus”, sagt sie in einer Sprachnachricht an D. Anfang Oktober. Mit “Liebe”, betont sie, habe das aber nichts zu tun. “Ich kann dir das echt nicht erklären, keine Ahnung.” Sie wolle ihm aber “sehr, sehr nahe sein”.
13.02 Uhr: Jetzt gräbt der Richter tiefer und will die Motivation von Christian D. wissen, warum er mit Gina H. so intensiven Kontakt gehabt habe. Allein innerhalb von vier Wochen schickten sie sich rund 1.400 WhatsApp-Nachrichten zu, telefonierten mehr als 20-mal. Auch anzügliche Fotos sollen verschickt worden sein. “Wollten Sie sexuell etwas von Frau H.?” – “Nein”, antwortet D. entschieden. Alles sei nur freundschaftlich gewesen. Doch der Richter lässt nicht locker. Die Antworten von D. werden kürzer. “Herr D., das macht so wenig Sinn”, bewertet der Richter den Aussagegehalt des Zeugen. Seine Frau wusste seiner Aussage zufolge nicht, dass er mit Gina H. i
Schreckliches Foto im Fall Fabian wird gezeigt
12.55 Uhr: Jetzt wird ein furchtbares Foto des verbrannten Jungen gezeigt. “Wenn Sie einmal bitte hinschauen”, sagt der Richter zum Zeugen. Doch der möchte nicht. Er kann den Anblick offenbar nicht ertragen. “Ich will Sie nicht quälen”, so der Richter. Er lässt das Foto wieder ausblenden. Bei der Polizei gab D. an, er habe den Körper in der Nacht am Tümpel mit dem Mittelfinger berührt. Nur wenige Zentimeter entfernt habe er sich von der Leiche entfernt befunden. Vor Gericht muss D. jetzt schwer und hörbar durchschnaufen.
12.53 Uhr: Es gibt weitere kleinere Detail-Unstimmigkeiten beim Zeugen. In einer Vernehmung bei der Polizei gab er zur Situation am Tümpel an, Gina H. habe erst gesagt “Da ist was”, dann sei er heruntergegangen. Heute Morgen berichtete er, er sei erst heruntergegangen und danach habe Gina H. von oben gerufen, dass da etwas sei. Gina H.s Verteidiger Thomas Löcker nickt bestätigend.
Fabians Mutter verlässt den Gerichtssaal
12.44 Uhr: Der Richter gibt der Anwältin von Fabians Mutter ein Zeichen. Jetzt werden belastende Fotos vom Tümpel gezeigt. Für die Mutter seien diese schwer zu ertragen. Fabians Mutter verlässt den Saal. Anhand von Fotos vom Tatort soll der Zeuge jetzt ganz genau sagen, wo er am 13. Oktober abends mit Gina H. langgelaufen ist.

12.41 Uhr: Die Sprachnachricht vom 13. Oktober wird vorgespielt, in der Gina H. Christian D. vorschlägt, “hinten Richtung Klein Upahl” nach Fabian zu suchen. Sie sei da “schon mal spazieren gewesen mit den Kindern” und Schlitten gefahren. D. antwortet, er glaube “nicht, dass das was bringen” werde. Aber er stimmt zu. Gina H. ergänzt noch: “Es ist total abwegig, aber vielleicht wollte er ja zu Oma und Opa oder wurde doch entführt.” Sie betont, sie wolle dort nicht allein hinfahren, “alleine durch den Wald latschen ist nicht so meins, vor allem nicht jetzt in dieser Zeit”. Die Polizei wolle sie nicht “anrufen und da hinschicken”, sagt sie in der Sprachnachricht an D.
Tümpelzeuge Christian D. gerät ins Schwimmen
12.32 Uhr: Jetzt gerät der Zeuge ins Schwimmen. Es geht um weitere Suchanfragen von seinem Handy. Demnach soll er am 11. Oktober gegoogelt haben: “Warum gibt es Leichenstarre” und ob Wildschweine tote Menschen fressen würden. Warum er das gesucht habe, will der Richter wissen. D. sagt, er habe sich mit Gina H. über einen Reitunfall unterhalten, bei dem jemand vom Pferd gestürzt sei. Dadurch sei sie auf das Thema Leichenstarre gekommen. Bei der Polizei hingegen hatte D. angegeben, es sei um Fabian und die Suche nach dem Jungen gegangen. Sie habe ihn explizit gebeten, danach zu googeln. “Das ist jetzt ein ganz anderer Kontext”, bemerkt der Richter. Endgültig klären lässt sich der Hintergrund der Suchanfragen hier nicht. Gina H.s Verteidiger Thomas Löcker kann das offenbar alles nicht nachvollziehen. Er runzelt demonstrativ die Stirn, als der Zeuge weiter aussagt.

Gina H. sprach schon vor dem Auffinden der Leiche über Alibi
12.26 Uhr: Eine Sprachnachricht von Gina H. an Christian D. vom 11. Oktober wird vorgespielt. Darin macht sich Gina H. Gedanken zu einem möglichen Alibi. “Damit du da nicht mit reingezogen wirst”, habe sie sich überlegt, das Treffen mit D. zu verschweigen. Der Richter findet das offensichtlich merkwürdig. D. sagt, er könne sich das nicht erklären.





