Sturm der Liebe: Abschied von einer Legende. Alfons Sonnbichler ist nicht mehr unter uns. Mit ihm geht nicht nur ein Portier – es endet eine Ära.
Sturm der Liebe: Abschied von einer Legende – Alfons Sonnbichler ist nicht mehr unter uns
Mit ihm geht nicht nur ein Portier – es endet eine Ära.
Manchmal beginnt ein Abschied nicht mit einem Koffer, sondern mit einem Gedanken. Und so begann auch dieser Abschied an einem stillen Nachmittag, als Alfons Sonnbichler, der Fels in der Brandung des Fürstenhofs, einen leisen Satz zu seiner Frau Hildegard sagte. Kein großer Moment, keine Musik, kein Blitzschlag – nur ein Blick, ein Satz. Und doch veränderte sich alles.
Alfons war nie ein Mann vieler Worte. Seine Geschichte war immer ein Teil der Geschichten anderer – der stille Ratgeber, der geduldige Zuhörer, der erste Gruß am Morgen und der letzte Abschied am Abend. Für Generationen von Gästen war er das Gesicht des Hotels – freundlich, verlässlich, mit einer eleganten Weste, die ihm niemand nehmen konnte.
Doch nun ist da eine Veränderung. Ein Nachdenken. Ein Zögern im Schritt. Vielleicht ist es Zeit. Zeit für etwas anderes. Zeit für sich selbst.
Ein Abschied in kleinen Schritten
Hildegard spürt es. Ihre Bewegungen am Frühstückstisch sind bedächtig, ihre Fragen vorsichtig. Als sie ihn fragt, ob er es wirklich will, antwortet er nicht mit Ja oder Nein, sondern mit der Wahrheit:
„Ich weiß es nicht, aber ich denke darüber nach.“
Es ist ein Abschied, der sich Stück für Stück vollzieht. Kein plötzlicher Bruch, sondern ein leiser Prozess. Wie Staub, der sich auf den alten Empfangsklingelknopf legt. Wie das Licht, das jeden Morgen durch dieselben Fenster fällt – und doch heute anders scheint.
Die Kamera der Erinnerung fährt mit Alfons durch die Gänge des Hotels. Jeder Schritt hallt doppelt – Vergangenheit und Gegenwart ineinander verschlungen. Im Spiegel sieht er sich selbst: nicht mehr als Angestellter, sondern als Mensch. Ein Mann, der gegeben hat. Viel. Für alle.
Er denkt an Werner Saalfeld, an Charlotte, an seine ersten Gäste, an den Duft frischer Bettwäsche, an geheime Liebesbotschaften unter Frühstücksservietten. All das machte den Fürstenhof zu mehr als nur einem Hotel. Es war Heimat. Bühne. Leben.
„Vielleicht bleibe ich noch einen Sommer.“
Kein Rückzug aus Angst, sondern ein bewusster Entschluss, das Kapitel noch nicht ganz zu beenden. Noch nicht. Noch einen Sommer. Aus Liebe – nicht aus Pflicht.
Am Abend sitzt er mit Hildegard auf der Bank vor dem Hotel. Die Sonne geht unter – wie so oft. Doch dieses Mal ist es vielleicht das letzte Mal.
Sie reicht ihm die Hand, nicht als Halt, sondern als Begleiterin. Und sie sagt:
„Dann genießen wir diesen Sommer – jeden Tag, jede Tasse Kaffee, jede Geschichte.“
Alfons bleibt – noch. Doch in jedem seiner Schritte klingt schon ein letzter Takt mit. Die Gäste grüßen ihn, die Türen öffnen sich – aber in seinem Blick liegt Wehmut. Und Dankbarkeit. Für ein Leben, das erfüllt war.
Vielleicht wird er eines Tages gehen. Aber dann leise. Mit Würde.
Und mit dem Satz:
„Es war schön. Und es war genug.“





