Prozess gegen Magdeburger Todesfahrer: “Man hat Knochen knacken gehört”
Magdeburg – Fortsetzung des Prozesses um den Vorfall auf dem Weihnachtsmarkt
Am Dienstag fand der neunte Verhandlungstag im Verfahren rund um den Vorfall auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt statt. Im Fokus standen erneut die Aussagen von Zeugen und Betroffenen, die den Abend aus nächster Nähe miterlebt haben.
Der Prozess um Magdeburg-Todesfahrer Taleb A. (51) wird fortgesetzt. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Insgesamt traten acht Personen vor Gericht, um ihre Erlebnisse zu schildern. Besonders emotional war die Aussage einer Frau, deren Mutter bei dem Vorfall ums Leben gekommen war. Sie berichtete von ihrer Angst und den traumatischen Eindrücken, die sie und ihre Familie erlebt hatten.
Der Angeklagte Taleb A. sitzt während der Verhandlung in einem Sicherheitskasten. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Die 39-jährige Zeugin erklärte, dass sie zusammen mit ihren Kindern, ihren Eltern und ihrem Ehemann vor Ort war. „Plötzlich hörten wir ein lautes Geräusch und sahen, wie Menschen zur Seite gedrängt wurden. Mir war sofort klar, dass etwas Schreckliches passiert war“, berichtete sie unter Tränen. Sie habe ihre Tochter sofort in Sicherheit gebracht und beobachtet, dass das Fahrzeug auf Menschen zugerollt sei.
Die Frau betonte, dass sie trotz des Schocks als Ersthelferin vielen Verletzten geholfen habe. „Es war überwältigend, so viele Menschen in Not zu sehen. Es dauerte lange, bis Unterstützung vor Ort war“, erklärte sie. Auch sie selbst befindet sich weiterhin in psychologischer Betreuung.
Eine weitere Zeugin, 58 Jahre alt, schilderte, dass sie zusammen mit Arbeitskollegen den Weihnachtsmarkt besucht habe. Sie habe das Fahrzeug gesehen, das Menschen zur Seite schob. „Es war schockierend, man hörte Knochen knacken“, berichtete sie. Sie und ihre Kollegen, die medizinisch ausgebildet sind, kümmerten sich sofort um die Verletzten.
Der Angeklagte wird immer wieder von Richter Sternberg ermahnt. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Auch eine 33-jährige Lehrerin berichtete, dass sie am Abend des Vorfalls verletzt wurde. Sie konnte seither nicht vollständig als Sportlehrerin arbeiten und ist weiterhin in physiotherapeutischer Behandlung.
Die Belastungen für die Zeugen gehen über körperliche Verletzungen hinaus. Viele berichteten von anhaltender Angst in Menschenmengen, Schlafstörungen und psychischer Belastung. Dank professioneller Unterstützung konnten einige Zeugen ihre Flashbacks inzwischen besser kontrollieren.
Während der Verhandlung saßen die Zeugen nur wenige Meter vom Angeklagten entfernt. Richter Dirk Sternberg ermahnte diesen mehrfach, auf Fragen und Erklärungen während der Zeugenaussagen zu verzichten.
Die Zeugen sitzen nur wenige Meter vom Angeklagten Taleb A. entfernt. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Am Ende des Verhandlungstages wurden die Zeugenaussagen abgeschlossen. Der Richter unterbrach die Sitzung und kündigte die Fortsetzung des Prozesses für Mittwoch um 9:30 Uhr an.
Der Prozess zeigt weiterhin die psychischen und physischen Folgen des Abends für die Betroffenen und betont die Bedeutung professioneller Unterstützung für die Opfer und Zeugen.





