Mordfall Fabian (†8): Verdächtige bricht genau im entscheidenden Moment zusammen–Zufall oder Taktik?

Im Mordprozess um den kleinen Fabian aus Güstrow nimmt sein Vater Aussagen zurück. Die Wut der Mutter ist groß. Das ist der aktuelle Stand nach Verhandlungstag zwei.

Rostock – Der Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow hat mit seinem zweiten Verhandlungstag am 30. April neue Wendungen genommen. Im Mittelpunkt standen die Aussagen der Eltern des Jungen – beide Aussagen am Landgericht Rostock waren mit Spannung erwartet worden.

Prozess im Fall Fabian
Die Angeklagte Gina H. im Saal 2.002 im Rostocker Landgericht. © Helmut Reuter/dpa

Fabians Mutter Dorina L. trat als Nebenklägerin auf und schilderte rund vier Stunden lang mit sichtlich gesenkter Stimme Details des Tattags: Am Morgen des 10. Oktober 2025 habe sich Fabian unwohl gefühlt und sei zu Hause geblieben. Sie habe ihn gebeten, die Wohnung nicht zu verlassen, bevor sie zur Arbeit ging. Als sie nachmittags zurückkehrte, fehlte jede Spur von ihm – sein Handy lag unberührt auf der Couch. Gegen 20 Uhr erstattete sie Vermisstenanzeige. Dass in dieser Anzeige als möglicher Grund für sein Verschwinden „Abenteuerlust“ vermerkt war, wies sie entschieden zurück. Dorina L. musste immer wieder mit den Tränen kämpfen, lehnte eine Pause jedoch ab. Der Richter unterbrach L. als die sich an Gina H. wenden wollte.

Prozess in Rostock: Fabian wollte laut seiner Mutter nicht mehr den Vater und Gina H. besuchen

Laut Anklage soll Gina H. Fabian aus der Wohnung gelockt haben. An einem Tümpel bei Klein Upahl soll sie ihn demnach mit einem langen Messer getötet und den Leichnam anschließend angezündet haben. Vier Tage später teilte die Polizei der Mutter mit, Fabian gefunden zu haben. Die 30-jährige Ex-Freundin von Fabians Vater schweigt vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft glaubt, sie habe durch den Mord gehofft, mit dem Vater wieder zusammenkommen zu können. Denn Fabian stand zwischen ihr und seinem Vater. Mehrere Versuche der Angeklagten, die Beziehung erneut aufleben zu lassen, scheiterten auch daran, dass Matthias R. einen erneuten Kontaktabbruch zu seinem Sohn nicht riskieren wollte – das hatte er ihr zuletzt am 9. Oktober 2025 per Chatnachricht mitgeteilt, einen Tag vor der Tat. Für die Staatsanwaltschaft Rostock ein entscheidendes Detail, mit dem sie Gina H. überführen will.

Dorina L. berichtete dem Gericht, dass Fabian 2024 zunehmend den Wunsch geäußert habe, nicht mehr zu seinem Vater Matthias R. zu gehen. Der Grund: Fabian soll Zeuge einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen R. und der Angeklagten Gina H. geworden sein. Ihr aktuelles Verhältnis zu Matthias R. beschrieb die Mutter als distanziert – sein Verhalten nach dem Tod des Jungen habe sie befremdet. Was genau sie damit meinte, ließ sie offen. Sie suche keinen Kontakt mehr zu ihrem Ex-Mann.

Fabians Vater verstrickt sich in Widersprüche – Mutter reagiert fassungslos

Der saß wenig später selbst auf dem Zeugenstuhl – und geriet schnell unter Druck. Überraschend wich er von einstigen Aussagen ab, stellte sich schützend vor die Angeklagte, seine Ex-Freundin, Gina H. Noch im November 2025 hatte er gegenüber Ermittlern angegeben, Gina H. habe heimlich sein Mobiltelefon durchsucht. Vor Gericht wollte er davon nichts mehr wissen. Auch die Darstellung, wonach H. ihn kontrolliert und von seinem sozialen Umfeld abgeschnitten habe, bezeichnete er als falsch.

„Weil ich Vieles missverstanden habe, habe ich solche Verdächtigungen gehabt“, sagt Matthias R. nun laut NDR. Er wisse nicht, wer Fabian das angetan haben könnte. Inzwischen habe er sich mit Gina H. darüber ausgesprochen. Laut ihrem Verteidiger hat er die Angeklagte auch in der Untersuchungshaft besucht und versorgt ihre Pferde. Zugleich räumte er eine körperliche Auseinandersetzung mit der Angeklagten ein.

Für Fabians Mutter, Dorina L., eine nur schwer erträgliche Wendung. Ihre Anwältin ließ laut t-online.de im Namen ihrer Mandantin mitteilen: „Dieser Auftritt war an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Er hat Fabian heute ein zweites Mal sterben lassen.“

Schlagabtausch zwischen Richter und Verteidiger

Für Aufruhr im Saal sorgte zudem ein Schlagabtausch zwischen dem Vorsitzenden Richter und Verteidiger Thomas Löcker, dem Anwalt von Gina H. Als Löcker Einwände zu Matthias R.s Aussage vorbringen wollte, entzog ihm der Richter das Wort und stellte klar: „Sie sind der Anwalt der Angeklagten, nicht des Zeugen.“

Die Vernehmung von Matthias R. wird am Dienstag (5. Mai) fortgesetzt. Weitere Zeugen sind an diesem Tag nicht geladen. „Ich gehe davon aus, dass die Vernehmung auch längere Zeit in Anspruch nehmen wird“, so eine Sprecherin des Gerichts bei Ippen.Media. Für Gina H. gilt die Unschuldsvermutung. (Quellen: t-online, NDR, eigene Recherche) (mke)

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