Fall Fabian: Gerichtsmediziner schildert die volle Grausamkeit der Tat – „Das Kind hat monatelang Höllenqualen erlitten“

Der Mordprozess gegen die Angeklagte im Fall Fabian rückte am Dienstag den Auffindeort der Leiche in den Fokus. Ein Polizist erklärte, was die Angeklagte ihm dort zunächst erklärte.

Update vom 3. Juni, 6:30 Uhr: Der Auffindeort der Kinderleiche spielte am achten Verhandlungstag im Mordprozess am Dienstag eine zentrale Rolle. Über 150 Fotos von dem Ort unweit von Klein Upahl (Landkreis Rostock) wurden gezeigt. Hinzu kam eine detaillierte 3D-Tatortrekonstruktion, durch die Abstände exakt bestimmt werden konnten. Auch diesmal warnte der Vorsitzende Richter Holger Schütt die rund 90 Zuschauer im Gerichtssaal vor den Fotos. Wer dies möglicherweise nicht ertragen könne, der solle besser den Saal verlassen.

Gezeigt wurden nicht nur Fotos von Fußabdrücken und dem Acker, auf dem sich der Tümpel befindet. Auch detaillierte Aufnahmen des nahezu vollständig verbrannten Leichnams wurden gezeigt. Die Angeklagte selbst informierte am 14. Oktober die Polizei und führte die Beamten zum Fundort der Leiche. Sie und eine Bekannte hätten damals angegeben, mit Hunden spazieren gewesen zu sein, sagte ein Polizist vor dem Landgericht Rostock, der als erster Beamter an dem Tümpel war.

Die beiden Frauen hätten die Polizei am Vormittag in die Nähe der Stelle geführt und den Beamten erklärt, wo der Leichnam genau liege. Beide seien aufgeregt gewesen. Auf ihn hätten sie aber nicht tief betroffen oder geschockt gewirkt, sagte der Beamte. Vor Ort sei er dann durch hohes Gras zu dem toten Jungen gegangen. Die Angeklagte sei zuvor selbst am Fundort gewesen und habe die Polizei darüber informiert, dass deshalb dort auch Spuren von ihr zu finden sein müssten.

Anwältin will Öffentlichkeit am Donnerstag ausschließen

Die Ermittler fanden sowohl Fußabdruckspuren des Jungen als auch der Angeklagten. Mehrere dicht beieinander liegende Spuren der jeweiligen Schuhabdrücke wurden dokumentiert und am achten Verhandlungstag in einem Bildbericht vorgestellt. Allerdings gab der Sachverständige zu bedenken, dass die Spuren nicht zu einer klaren Identifizierung dienten. Belegt seien aber Abdruckspuren mit dem Profil von Turnschuhen, von denen die Angeklagten drei Paar besessen habe.

Ihre Anwältin Christine Habetha beantragte in ihrem Namen den Ausschluss der Öffentlichkeit für die am Donnerstag geplante Präsentation des rechtsmedizinischen Gutachtens. Sie verwies zur Begründung auf postmortale Persönlichkeitsrechte als Ausdruck des Schutzes der Menschenwürde. Dahinter müsse das Interesse der Öffentlichkeit zurücktreten. Das Gericht will vor Beginn des neunten Prozesstages am Donnerstag über den Antrag entscheiden.

Fabian-Prozess: Gina H. sprach noch am Tatort von Spuren – Polizist „stutzig“

Update vom 2. Juni, 14:26 Uhr: Am 14. Oktober hatte Gina H. der Polizei den Leichenfund am Tümpel gemeldet. Jetzt berichtet der Polizist, der die Verdächtige am Tatort antraf, von ungewöhnlichen Aussagen. Die heute Verdächtige habe direkt darauf hingewiesen, dass möglicherweise Spuren von ihr am Tatort seien. „Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor. Als Polizisten wissen wir sowas ja. Es machte uns ein bisschen stutzig, dass das von allein kommt“, zitiert die Bild den Beamten aus dem Gerichtssaal.

Es ist nicht das einzige, worüber die Ermittler grübeln. Das zweite Detail: Gina H. hatte angegeben, gemeinsam mit ihrer Begleitung einen Hundespaziergang gemacht zu haben. Aber die zweite Frau sei „nicht gut zu Fuß“ gewesen, berichtet der Polizist laut Focus nun dem Gericht. Ein Waldspaziergang trotz Krücken?

Erstmeldung vom 2. Juni, 11:07 Uhr: Der Prozess um den getöteten Fabian aus Güstrow wird am Dienstag, 2. Juni 2026, fortgesetzt. Am achten Verhandlungstag treten am Landgericht Rostock mehrere Zeuginnen und Zeugen vor die Kammer. Unter ihnen befindet sich jener Polizeibeamte, der am 14. Oktober 2025 als Erster an dem Tümpel bei Klein Upahl eintraf. Dort wurde die Leiche des Jungen entdeckt.

Fortsetzung im Verfahren wegen Mordes an Fabian aus Güstrow
Der Mordprozess um den getöteten Fabian aus Güstrow wird am Dienstag fortgesetzt (Collage) © Bernd Wüstneck/dpa

Auch weitere Zeugen sollen an diesem achten Prozesstag aussagen. Darunter ein weiterer Polizeibeamter, der mit der Tatortuntersuchung betraut war und ein Kommissar, der die 3D-Tatortrekonstruktion erläutern soll. Für den Nachmittag ist zudem ein Sachverständiger geladen, der Aussagen zu Fußabdruckspuren machen soll.

Fabian-Prozess soll verlängert werden

Die Kammer plant außerdem, zusätzliche Verhandlungstermine bis Anfang September bekanntzugeben. Richter Holger Schütt hatte bereits an einem früheren Prozesstag angekündigt, dass mindestens zehn weitere Termine erforderlich seien. Ursprünglich sollte das Urteil Anfang Juli verkündet werden.

Wegen Mordes vor Gericht steht eine 30-jährige Frau, die über Jahre mit dem Vater des getöteten Kindes zusammen war. Inzwischen führen beide erneut eine Beziehung, das bestätigte der Vater bei seiner eigenen Vernehmung vor Gericht. Seit November 2025 sitzt die Angeklagte in Untersuchungshaft, sie hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Fabians Mutter nimmt als Nebenklägerin am Verfahren teil.

Am 10. Oktober 2025 wurde der Grundschüler getötet. Tagelang galt er als vermisst, bis sein Leichnam am 14. Oktober gefunden wurde. Die nun Angeklagte hatte damals in einem Interview selbst erzählt, als Spaziergängerin auf den toten Jungen gestoßen zu sein. Für sie gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Der Prozess

Laut Anklage soll die Tatverdächtige Fabian, der am Tattag, einem Freitag im Oktober, allein zu Hause war, aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt haben und mit ihm aus der Stadt gefahren sein. In der Nähe des Dorfs Klein Upahl, 15 Kilometer südlich von Güstrow, stellte sie laut Anklage ihr Handy ab und lief mit Fabian zu einem Tümpel. Dort soll sie dem Jungen mit einem Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge mindestens sechs Stiche versetzt haben, zwei davon ins Herz. Später kehrte sie laut der Anklage noch einmal zum Tatort zurück und setzte den Leichnam mit flüssigem Grillanzünder in Brand, um Spuren zu beseitigen.

Laut Anklage hatten sich die Angeklagte und Fabians Vater im August 2025 getrennt. Kurz vor der Tat soll der Vater der Angeklagten klargemacht haben, dass er die Beziehung nicht wieder aufnehmen wolle, weil er Angst habe, dann den Kontakt zu Fabian zu verlieren.

Die Angeklagte sei an der Beziehung interessiert gewesen, weil sie befürchtet habe, „ihren bisherigen Lebensstil nicht weiter fortführen zu können“, befand die Staatsanwaltschaft. Sie habe das Leben Fabians „bedenkenlos“ vernichtet – in der vagen Hoffnung, die „für sie auch monetär vorteillhafte“ Beziehung zu dessen Vater wieder aufnehmen zu können. Die Verteidiger teilten mit, dass sich die Angeklagte zur Sache nicht äußern wolle. Für die Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung.

In den vergangenen Wochen erregte der Prozess wiederholt Aufsehen. Der Vater des Kindes beteuerte vor Gericht, an die Unschuld der Angeklagten zu glauben. Gegen ihn wird mittlerweile wegen Falschaussage ermittelt. Eine Zeugin erklärte zudem, der Vater habe ihr gegenüber den Verdacht geäußert, die Mutter könne mit dem Geschehen in Verbindung stehen. Auch die Großmutter des Jungen sorgte mit ihrer Aussage für Verwunderung. Die Frau erklärte vor Gericht, nicht wissen zu wollen, was Fabian zugestoßen sei. (Quellen: dpa) (jl)

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