Fall Fabian: Gina H. fürchtete, ihr solle etwas “angehängt” werden
Bereits kurz nachdem der kleine Fabian aus Güstrow im Oktober 2025 tot an einem Tümpel gefunden wurde, haben die Ermittler das Telefon der im Mordprozess angeklagten Gina H. abgehört. Sie fürchtete, man wolle ihr etwas “anhängen”.
Die im Fall Fabian angeklagte Gina H. ist bereits kurz nach dem Fund des toten Achtjährigen an einem Tümpel bei Klein Upahl (Landkreis Rostock) von der Polizei überwacht worden. So wurde etwa ihr Telefon abgehört. In Gesprächen mit zwei Bekannten, die am Donnerstag im Landgericht Rostock vorgespielt wurden, sorgte sich die 30-Jährige Mitte Oktober, dass ihr etwas “angehängt” werden könnte. Schließlich hatte sie am 14. Oktober bei der Polizei gemeldet, wo der Leichnam lag.
Angst vor verdächtigen Details im Auto
Einem der Bekannten sagte sie, sie habe Angst, dass auf der Fußmatte im Rückraum ihres Autos “irgendwas Kleines” sein könnte, was einen Verdacht auf sie lenken könnte. Zu diesem Zeitpunkt wurde ihr auffälliger Pick Up von der Polizei zum ersten Mal untersucht. Gina H. fürchtete auch, es könnte eine Flasche Grillanzünder gefunden werden, die sie angeblich seit längerem in ihrem Wagen liegen hatte. Der Staatsanwalt meinte, zu diesem Zeitpunkt sei öffentlich nicht bekannt gewesen, dass ein Grillanzünder eine Rolle spielen könnte. Die Verteidigung hielt dagegen, dass habe sich Gina H. denken können, da sie den Leichnam gesehen hatte, als sie ihn entdeckte.
Grillanzünder spielt wichtige Rolle
Fabians Leichnam wurde mit starken Verbrennungen gefunden. Bei der Spurensicherung stellten die Ermittler Reste eines Brandbeschleunigers fest. Ein Fachmann des Landeskriminalamtes sagte vor Gericht, dafür käme ein flüssiger Grillanzünder “in Betracht”, wie er in einem Schuppen bei Gina H. in Reimershagen (Landkreis Rostock) gefunden wurde. In der Flasche fehlte etwa ein halber Liter. Eine solche Menge reicht nach Angaben des Experten aus, um einen Körper dauerhaft in Brand zu setzen. Er konnte allerdings nicht bestätigen, dass es genau dieser Grillanzünder war, mit dem Fabian angezündet wurde.
Keine Betäubungsmittel im Blut
Die Obduktion ergab, dass Fabian durch sechs “intensiv ausgeführten” Stichen in den vorderen Oberkörper starb, zwei davon ins Herz, wie ein Gerichtsmediziner erläuterte. Das Tatmesser, das nicht gefunden wurde, könne bis zu 15 Zentimeter lang gewesen sein. Ob es von einer linken oder von einer rechten Hand geführt wurde, konnte er aus den Wunden nicht herauslesen. Gina H. ist Linkshänderin.
Öffentlichkeit nicht ausgeschlossen
Soweit es noch erkennbar war, fand der Gerichtsmediziner keine Abwehrspuren und auch keine Betäubungsmittel in Fabians Blut. Wann genau das Kind getötet wurde, ließ sich nicht mehr sagen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass dies wenige Stunden nach seinem Verschwinden geschah. Die Anwältin von Fabians Mutter hatte beantragt, während des Berichts über die Obduktion die Zuschauer auszuschließen, weil die Persönlichkeitsrechte des Jungen auch nach seinem Tod geschützt werden müssten. Das Gericht bewertete das Recht der Öffentlichkeit, über die Details informiert zu werden, jedoch ein Stück weit wichtiger.
“Bis ich sage, ich war es”
In einem der Mitte Oktober abgehörten Telefongespräche klagte Gina H. übrigens auch über den öffentlichen Druck, der in den Medien und auf diversen Internet-Plattformen gegen sie aufgebaut worden sei. Sie fürchte, “dass die mich so mürbe machen, bis ich sage, ich war es”, obwohl sie unschuldig sei, “dann haben alle, was sie wollen, dann hat das ein Ende”.
Wegen heimtückischen Mordes angeklagt
Fabian war am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow verschwunden und wurde vier Tage lang vermisst. Gina H. wurde im November verhaftet und steht wegen heimtückischen Mordes vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, Fabian aus der Wohnung gelockt, bei Klein Upahl erstochen und seinen Leichnam später angezündet zu haben. Nach Ansicht der Ermittler glaubte sie, Fabian stünde einer Wiederbelebung ihrer Beziehung zu Fabians Vater im Weg, der sich im August 2025 von ihr getrennt hatte. Am nächsten Verhandlungstag am kommenden Dienstag sollen unter anderem weitere abgehörte Telefonate vorgespielt werden.





