Schock im Fall Fabian! Am 12. Verhandlungstag: Vater und Gina H. sollen Komplizen gewesen sein!
„Wer ist Addi?”: Gericht enthüllt den schockierenden Spitznamen, den Gina H. für Fabians Vater benutzte
Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian sorgt ein einziger Spitzname für erschrockene Blicke im Gerichtssaal. Was als beiläufige Frage des Richters beginnt, offenbart eine verstörende Seite der Angeklagten.
Es war der elfte Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock – und der Andrang war so groß wie nie. Zum ersten Mal war der Besucherbereich bis auf den letzten Platz gefüllt. Alle 150 Plätze besetzt, auch im Pressebereich blieb kaum Raum. Rund 50 Menschen mussten draußen bleiben.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der Grund für das große Interesse: An diesem Tag sagte einer der wichtigsten Zeugen aus. Christian D., 36 Jahre alt, war als Erster gemeinsam mit der Angeklagten Gina H. an Fabians Fundort. Zudem hatte der Jäger rund um den Tattag viel Kontakt zu ihr.
Doch bevor es um den dramatischen Fund der Leiche ging, lenkte der Richter den Blick auf die Beziehung zwischen Gina H. und Fabians Vater Matthias R.
Christian D. und die Angeklagte kannten sich aus dem Dorf seit rund zehn Jahren. Etwa einen Monat vor der Tat intensivierte sich der Kontakt – über Facebook, später per WhatsApp und Handy. Gina H. habe ihm dabei viel Privates anvertraut.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (von links nach rechts), der Verteidiger, und die Angeklagte warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Sie habe ihm von ihrer Beziehung erzählt, von Streit und Handgreiflichkeiten. Auch dunkle Details kamen zur Sprache. Doch ein Detail ließ den ganzen Saal aufhorchen.
Der Richter fragte den Zeugen, worüber er und Gina H. sich denn ausgetauscht hätten. Über Pferde, über Gina H.s Sohn – und über „Addi”, antwortete Christian D.
Ein Name, der zunächst harmlos klingt. Doch dann hakte der Richter nach.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Oliver Schley (von links nach rechts), Staatsanwalt, und Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
„Wer ist Addi?”, wollte Richter Holger Schütt wissen. Die Antwort des Zeugen sorgte für hörbares Raunen und erschrockene Blicke im Publikum:
„Na, Mathias R. Gina hat ihn immer so genannt, weil er am selben Tag Geburtstag hat wie der ‘Führer’.”
Den Spitznamen vergab sie Fabians Vater, wie der Zeuge glaubt, weil er am selben Tag Geburtstag habe „wie der Führer im Zweiten Weltkrieg”. Gina H. grinst bei dieser Aussage.
Doch die Schilderungen des Zeugen gingen noch weiter – und wurden zunehmend bedrückender.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha (von links nach rechts), Rechtsanwältin, und die Mutter des ermordeten Achtjährigen im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Christian D. berichtete von dem, was Gina H. ihm über ihre Beziehung erzählt hatte. Es sei um Alkoholkonsum, Gewalt und Streitigkeiten gegangen. Eine Geschichte habe sich ihm besonders eingeprägt.
„Eine Sache ist mir besonders im Kopf geblieben: Sie hat erzählt, dass sie schwanger war und Mathias R. sie die Treppe runtergeschubst hat. Dadurch hat sie das Kind verloren”, sagte der Zeuge vor Gericht.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Peter Keiper, Sachverständiger, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Trotz dieser belastenden Schilderungen über Fabians Vater hatte Christian D. einen ganz anderen Eindruck von Gina H.s Gefühlen. Zum damaligen Zeitpunkt seien die beiden bereits getrennt gewesen – und dennoch sagte der Zeuge:
„Ich hatte aber den Eindruck, sie will ihn zurück”.
Genau dieser Punkt ist im Verfahren von zentraler Bedeutung. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Gina H. die Beziehung zu Matthias R. um jeden Preis retten wollte – und in Fabian ein Hindernis sah.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Peter Keiper (von links nach rechts), Sachverständiger; Oliver Schley, Staatsanwalt; und Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Auch über das Verhältnis zu dem Jungen sprach der Zeuge. Gina H. habe ihm erzählt, dass Fabian versuche, „einen Keil” zwischen sie und Matthias R. zu treiben. Dass Fabians Vater sich nach der Trennung wieder mehr um seinen Sohn kümmern wollte, habe sie schnippisch kommentiert:
„Jetzt macht er einen auf Super-Daddy.”
Während der Zeuge aussagte, schaute Gina H. überwiegend nach unten, schüttelte manchmal den Kopf und stützte ihr Gesicht in die Hand.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Christian D. gilt als einer der Hauptbelastungszeugen. Er ist einer von mehreren Männern, die die Angeklagte zu Fabians Fundort führte, bevor sie die Polizei alarmierte. Im Nachhinein, so sagte er vor Gericht, habe er sich benutzt gefühlt – er sei bewusst von der Angeklagten zu dem Tümpel geführt worden.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Holger Schütt, Richter, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Sie schweigt seit Prozessbeginn Ende April. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen vor. Der Prozess wird fortgesetzt – und schon der elfte Verhandlungstag zeigte, dass weiterhin mit erschütternden Details zu rechnen ist.
Wie bereits berichtet:
Was tat Gina H. in den Stunden, bevor Fabian verschwand? Am zehnten Verhandlungstag werteten die Ermittler ihr Handy aus – und förderten Suchanfragen und Nachrichten zutage, die einen Schatten auf den Abend zuvor werfen.
Über 33.000 Ereignisse hatten die Ermittler auf dem Smartphone von Gina H. in nur viereinhalb Tagen protokolliert – darunter rund 1.100 Sprachnachrichten, vor allem an Fabians Vater Matthias R. Ein Kriminalbeamter wertete diese gewaltige Datenmenge aus und präsentierte sie am zehnten Prozesstag vor dem Landgericht Rostock.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v.l.n.r.), Andreas Ohm, Anwalt, und Thomas Löcker, Anwalt, warten im Saal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Im Mittelpunkt: der 9. Oktober 2025 – der Abend, bevor Fabian verschwand.
An diesem Tag war Fabian morgens in der Schule, am Vormittag zu Hause. Gina H. traf sich mit einem Freund am Krebssee. Am Nachmittag war Fabian bei einem Freund und im Jugendclub. Soweit ein normaler Tag.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v.l.n.r.), Anwalt, die Angeklagte und Thomas Löcker, Anwalt, erheben sich im Saal des Landgerichts, als das Gericht zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian eintritt. Der Angeklagten wird vorgeworfen, den damals achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Doch dann verschickte Gina H. am Abend eine Nachricht an einen Freund, die das Gericht aufhorchen ließe:
„Sie muss einen Weg finden für die komplette Zukunft.”
Kurz darauf folgten Suchanfragen, die im Kontext des nächsten Tages eine düstere Bedeutung bekommen. Gina H. googelte am Abend des 9. Oktober nach „Testament aufsetzen”, „Testament schreiben ohne Notar” und „Testament verfassen”.
Am selben Abend schrieb Fabians Vater ihr eine Nachricht, die im Rückblick schwer zu ertragen ist:
„Es gibt auch Dinge wie Fabian, die mir bisschen Hoffnung und Kraft schenken.”
Am nächsten Tag, dem 10. Oktober, verschwand Fabian. Laut Anklage wurde er an diesem Tag getötet.
Die Handyauswertung zeichnet auch die Tage danach detailliert nach. Am Morgen nach Fabians Tod googelte Gina H., ob Wildschweine tote Menschen fressen – zuvor hatte sie nach „Polizei” und „Polizei news” gesucht. Mit einem Freund schrieb sie immer wieder über Spuren und Ermittlungen.
In einer Nachricht schrieb sie: „Ich wünschte, ich hätte es nie gefunden.” Bemerkenswert: Sie nannte Fabian dabei nicht beim Namen, obwohl sie ihn am Fundort selbst identifiziert hatte. In anderen Nachrichten sprach sie beim Fund der Leiche immer wieder von einem Zufall.
Der Ermittler beschrieb das Kommunikationsverhalten der Angeklagten als auffällig empathielos. Es sei in den Nachrichten fast ausschließlich um ihre eigenen Sorgen und Probleme gegangen – um Finanzen, um Eifersucht, um Fabians Mutter. Mitgefühl für das getötete Kind habe er kaum gefunden.
Als besonders empathielos hob der Beamte eine Sprachnachricht vom 2. November an Fabians Vater hervor:
„Du bist derjenige, der traurig ist. Du bist derjenige, der sein Kind verloren hat. Du bist derjenige, der arme, arme Matthias. Wie es mir geht mit der ganzen Situation, interessiert weder dich, noch sonst wen!”
Auch andere Details kamen zur Sprache: Gina H. hatte nach Fabians Tod eine Trauerrede von der KI ChatGPT verfassen lassen und an Fabians Vater geschickt – mit dem Hinweis, dass eines ihrer großen Talente das Schreiben sei.
Gina H. und Fabians Vater waren bis August 2025 rund vier Jahre lang ein Paar. Er trennte sich einen Tag vor Fabians Verschwinden von ihr. Acht Wochen später waren beide wieder zusammen. Der Vater glaubt an ihre Unschuld.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Saal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. Der Angeklagten wird vorgeworfen, den achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.
Wie bereits berichtet:
Am neunten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow rückten Grillanzünder und abgehörte Telefonate in den Fokus – und brachten die Angeklagte schwer in Bedrängnis.
Der Gerichtsmediziner nannte Verbluten infolge von sechs massiven Stichverletzungen als Todesursache. Abwehrspuren gab es keine. Ein chemischer Gutachter stellte fest, dass die Brandrückstände am Tatort Ähnlichkeit mit einem „JA!”-Grillanzünder aufwiesen, der im Carport der Angeklagten sichergestellt worden war. Aus der Flasche fehlen 500 bis 600 Milliliter.

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (l.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter im Landgericht. | Quelle: Getty Images
Besonders belastend waren abgehörte Telefonate vom 17. und 18. Oktober 2025. Darin sprach Gina H. selbst über mögliche Spuren in ihrem Auto, über Fußmatten und über eine Brandbeschleuniger-Flasche – zu einem Zeitpunkt, als öffentlich noch gar nicht bekannt war, dass die Leiche verbrannt worden war. Staatsanwalt Oliver Schley hält das nicht für einen Zufall:
„Als der breiten Öffentlichkeit noch nicht bekannt war, dass der Leichnam verbrannt war, ging es in den Gesprächen der Angeklagten um Grillanzünder.”

Die Angeklagte Gina mit ihren Anwälten Andreas Ohm und Thomas Löcker erheben sich beim Eintreten des Gerichts, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Imageseck/picture alliance via Getty Images)
Verteidiger Andreas Ohm widersprach:
„Auch wenn das mit dem Brand möglicherweise nicht bekannt war: Zumindest war es der Angeklagten bekannt. Sie hat Fabian gefunden.”
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird am 9. Juni fortgesetzt.
Ein abgehörtes Telefonat hat am neunten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow für Aufsehen gesorgt. Im Gerichtssaal wurde ein Mitschnitt eines Gesprächs zwischen der Angeklagten Gina H. und ihrem Nachbarn Olaf K. vom 17. Oktober 2025 abgespielt.
Die Aufnahme lieferte neue Einblicke darin, wie sich die 30-Jährige wenige Tage nach dem Fund des Leichnams gegenüber Vertrauten geäußert hatte – und welche Gedanken sie in dieser Zeit beschäftigten.

Hauptsitz der Staatsanwaltschaft in Rostock. | Quelle: Getty Images
„Solange werde ich die Schuldige für alle sein”
Im abgehörten Gespräch vom 17. Oktober 2025 äußerte sich Gina H. gegenüber ihrem Nachbarn über den öffentlichen Druck, dem sie ausgesetzt war. Sie berichtete, dass sie auf TikTok von sogenannten Trovato-Detektiven thematisiert worden sei. Anschließend beklagte sie, dass ein Bekannter sich ihr gegenüber so verhalte, als hätte sie Fabian getötet – und dass ihr vorgeworfen werde, gewusst zu haben, wo der Leichnam lag.
„So lange nicht jemand gefunden ist, werde ich für alle die Schuldige sein.”

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (l.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und geht zu ihrem Platz neben Anwalt Thomas Löcker im Landgericht. | Quelle: Getty Images
Gina H. wies außerdem den Vorwurf zurück, sie hätte wissen müssen, wo der Leichnam lag.
„Er tut ja so, als ob ich Fabian umgebracht hätte. Woher soll ich wissen, dass er da liegt? Auch wenn sich das gerade alles so hingedreht wird, als hätte ich das wissen müssen.”

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und wird in den Gerichtssaal des Landgerichts geführt. | Quelle: Getty Images
Olaf K. antwortete darauf: „Es sieht ja irgendwie gezielt aus, sagen wir es mal so.”
Gina H. reagierte mit Sarkasmus und erklärte, sie habe schließlich Wichtigeres zu tun, als einen Jungen umzubringen – und drohte ironisch damit, sich selbst bei der Polizei als Schuldige zu melden, damit endlich Ruhe einkehre.
„Ja genau, ich habe auch nichts Besseres zu tun als Fabian umzubringen? Weißt du, ich rufe morgen gleich bei der Polizei an und sage: ‚Ich bin die Schuldige.’ Dann haben sie alle, was sie wollen und dann hat der ganze [Schimpfwort] ein Ende.”

06. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Polizeiautos stehen vor einem Haus in Reimershagen. Nach zahlreichen Hinweisen in „Aktenzeichen XY“ durchsucht die Polizei erneut mehrere Grundstücke in Reimershagen und dem Nachbardorf Rum Koge | Quelle: Getty Images
Angst vor Spuren im Auto
Im selben Gespräch äußerte Gina H. ihre Sorge darüber, dass bei der Untersuchung ihres Fahrzeugs belastende Spuren gefunden werden könnten.
„Ich bin diejenige, die am Arsch ist, weil sie mir irgendeinen [Schimpfwort] anhängen wollen. Weil sie von ihm irgendwas im Auto gefunden haben … Wo nichts ist, kann ich auch nichts wegwischen.”

Abtransport von Gina H.s Fahrzeug bei Hausdurchsuchung in Reimershagen, November 2025 | Quelle: Getty Images
Sie erklärte außerdem, dass sie die Fußmatten im Nachhinein lieber herausgenommen und entsorgt hätte – besonders die hintere linke, auf der möglicherweise etwas sein könnte.
„Naja, doch, ich hätte die Fußmatten rausgenommen. Die kleinen hätte ich höchstens rausgenommen und entsorgt. Davor habe ich ein bisschen Schiss, dass hinten auf der linken Fußmatte irgendwas sein könnte.”

Symbolbild | Quelle: Getty Images
Olaf K. versuchte sie zu beruhigen und meinte, eventuelle Blutspuren ließen sich erklären:
„Selbst wenn, das ist doch erklärbar. Das mit dem Blut, das hab ich gesagt, dass er sich da irgendwann verletzt hat.

Symbolbild | Quelle: Getty Images
Gina H. lenkte das Gespräch daraufhin auf eine Flasche Brandbeschleuniger, die sie eigenen Angaben zufolge schon länger in ihrem Auto liegen hatte – und von der sie nicht wusste, ob sie noch dort sei.
„Dann fängt’s an mit der Brandbeschleunigerflasche, die ich irgendwo mal im Auto liegen hatte. Ich weiß nicht, ob die noch da liegt, ich hoffe nicht.”
„Ich bete, dass der nicht im Auto ist”
Am 18. Oktober 2025 führte Gina H. ein weiteres, rund zweistündiges Telefonat mit einem anderen Bekannten. Auch davon spielte das Gericht Ausschnitte vor. In dem Gespräch beteuerte sie ihre Unschuld – und äußerte erneut die Befürchtung, dass der Brandbeschleuniger noch in ihrem Fahrzeug gefunden werden könnte.
„Ich bin mir keiner Schuld bewusst, ich habe nichts getan … [Schimpfwort], nicht dass ich den Brandbeschleuniger noch im Auto hab. Ich bete dafür, dass der nicht im Auto ist, sonst hängen die mir doch gleich den [Schimpfwort] an …”

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (l.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter im Landgericht. | Quelle: Getty Images
Der Bekannte reagierte bestürzt auf ihre Aussagen.
„Und lag er noch im Auto? Oh Gina, Gina. Bete.”
Staatsanwalt sieht kein Zufall
Staatsanwalt Oliver Schley betonte, dass Gina H. in ihren Gesprächen über Grillanzünder gesprochen habe, als der breiten Öffentlichkeit noch gar nicht bekannt war, dass der Leichnam verbrannt worden war. Verteidiger Andreas Ohm hielt dagegen, dass Gina H. den Leichnam selbst entdeckt hatte und dies daher gewusst haben könnte.

Symbolbild | Quelle: Getty Images
Im Carport der Angeklagten wurde eine Flasche Grillanzünder der Marke „JA!” sichergestellt, aus der rund 500 bis 600 Milliliter fehlten – laut Sachverständigem genug, um den festgestellten Effekt zu erzielen. Der nächste Verhandlungstag ist für den 9. Juni angesetzt.
Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow wurden am neunten Verhandlungstag abgehörte Sprachnachrichten der Angeklagten Gina H. vorgespielt – darunter Aufnahmen, die Einblick in ihre damalige Beziehung zu Fabians Vater geben.
Die Nachrichten stammen aus dem Januar und Februar 2024 und wurden vom Gericht als Beweismittel zugelassen. Sie beleuchten die Persönlichkeit der Angeklagten sowie die Dynamik ihrer damaligen Beziehung zu Matthias R., dem Vater des ermordeten Fabian.

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte steht zwischen ihren Anwälten Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker (l.) beim Landgericht während der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Eifersucht bei der Beerdigung
Am 15. Januar 2024 berichtete Matthias R. in einer Sprachnachricht über die bevorstehende Seebestattung seines Vaters. Gina H. antwortete mit der Bemerkung, sie könnte bei der Zeremonie seekrank werden – und stellte dabei eine deutlich eifersüchtige Frage darüber, wer ihm bei dem Anlass wichtiger sein würde: sie oder seine Ex-Freundin.
„Ich bin ja mal gespannt, wer dir dann wichtiger ist: Deine Ex oder ich?”

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Matthias R. zeigte sich darüber sichtlich irritiert und betonte, dass es bei der Veranstaltung ausschließlich um seinen verstorbenen Vater gehe – nicht um seine frühere Beziehung:
„Es geht doch nicht um meine Ex. Es geht doch um meinen Vater. Um die Beerdigung. Um nichts anderes.”
Finanzielle Sorgen und Streit am Valentinstag
Wenige Wochen später, am 6. Februar 2024, schilderte Gina H. in einer weiteren Sprachnachricht ihre finanzielle Lage. Darin schilderte sie, dass ihr Geld knapp geworden sei:
„Nur das Problem ist, ich hab kein Geld mehr … ich muss jetzt erstmal tanken und dann habe ich auch kein Geld mehr in der Tasche.”

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Am Valentinstag, dem 14. Februar 2024, beschwerte sie sich in einer weiteren Nachricht, dass Matthias R. an diesem Tag lieber arbeite, als Zeit mit ihr zu verbringen. Er antwortete darauf sarkastisch, dass das Geld irgendwo herkommen müsse.
Unter Druck und Beobachtung
Bereits kurz nach dem Fund des Leichnams wurde Gina H. von der Polizei überwacht – unter anderem wurde ihr Telefon abgehört. Die 30-Jährige sorgte sich in dieser Zeit sehr darum, dass ihr etwas „angehängt” werden könnte. Schließlich war sie es gewesen, die am 14. Oktober den Fundort des Leichnams bei der Polizei gemeldet hatte – ein Umstand, der sie in der Öffentlichkeit schnell in den Fokus des Verdachts rückte.

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (r.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und sitzt neben ihrem Anwalt Thomas Löcker im Gerichtssaal des Landgerichts während der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
In einem der abgehörten Gespräche äußerte sie sich auch über den öffentlichen Druck, der durch Medien und Internetplattformen gegen sie aufgebaut wurde. Sie befürchtete, so lange unter Druck gesetzt zu werden, bis sie schließlich eine Aussage mache, die sie eigentlich nicht meine – und dass damit dann für alle ein Ende hätte.
Der Prozess
Die Mutter von Fabian, die auch als Nebenklägerin am Prozess teilnimmt, hatte gefordert, den Obduktionsbericht nicht öffentlich zu verlesen. Das Gericht wies diesen Antrag zurück – das Recht der Öffentlichkeit auf Information wurde höher gewichtet.
Wendepunkt im Fall Fabian: Ermittlungen enthüllen, wie seine letzten Lebensmomente aussahen
Rostock – Im Mordprozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian sind am neunten Verhandlungstag weitere Erkenntnisse zur Tat und zu den Ermittlungen bekannt geworden. Im Mittelpunkt der Verhandlung vor dem Landgericht Rostock standen am Donnerstag die Aussagen von Sachverständigen sowie die öffentliche Präsentation des rechtsmedizinischen Gutachtens.
Zu Beginn des Prozesstages hatte die Mutter des getöteten Jungen beantragt, die Öffentlichkeit während der Verlesung des Obduktionsberichts auszuschließen. Ihre Anwältin begründete dies mit dem Schutz der Menschenwürde und dem postmortalen Persönlichkeitsrecht des Kindes. Das Gericht lehnte den Antrag jedoch nach kurzer Beratung ab.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (r.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und sitzt neben dem Rechtsanwalt Thomas Löcker im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten sich zuvor gegen einen Ausschluss ausgesprochen. Oberstaatsanwalt Oliver Schlex erklärte im Gerichtssaal: „Das gilt nicht, wenn öffentliches Interesse überwiegt“. Die Inhalte des Gutachtens seien für die Aufklärung des Falls von wesentlicher Bedeutung.
Richter Holger Schütt erklärte anschließend, dass die Öffentlichkeit trotz der emotionalen Belastung Zugang zu den Ausführungen behalten müsse. Gleichzeitig warnte er Zuschauer und Medienvertreter ausdrücklich vor den Bildern und Inhalten, die während der Sitzung gezeigt würden. Die Stimmung im Gerichtssaal galt während des gesamten Prozesstages als angespannt und emotional.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha, die Anwältin der Mutter des ermordeten Achtjährigen, wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Eröffnung der Verhandlung im Rahmen der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Während der Präsentation verließ ein Journalist plötzlich den Gerichtssaal. Beobachtern zufolge litt er offenbar unter Kreislaufproblemen. Gerichtsbeamte unterstützten ihn und führten ihn aus dem Saal. Die Verhandlung wurde anschließend fortgesetzt.
Der Gerichtsmediziner erläuterte danach seine Erkenntnisse zur Tat. Dabei ging es unter anderem um die Frage, ob die hohe Gewaltintensität Rückschlüsse auf den möglichen Täter zulasse. Verteidiger Thomas Löcker hatte gefragt, ob eine solche Tat eher einem Mann zuzutrauen sei.

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, durchsuchen Polizeibeamte das Gebüsch am Straßenrand | Quelle: Getty Images
Der Sachverständige widersprach dieser Annahme deutlich. „Mit dem gewissen Wollen kann das nahezu jeder aufbringen, der nicht hochgradig gelähmt ist“, sagte er. Es gebe keine objektiven Grenzen, die eine Frau als Täterin ausschließen würden.
Zur Verdeutlichung schilderte der Gerichtsmediziner ein Beispiel aus einem früheren Versuch, bei dem selbst mit einem stumpfen Gegenstand erst durch erhöhten Kraftaufwand ein Erfolg erzielt worden sei. Damit wollte der Gutachter erklären, dass körperliche Kraft allein keine eindeutigen Rückschlüsse auf das Geschlecht einer tatverdächtigen Person zulasse.

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, durchsuchen Polizeibeamte das Gebüsch am Straßenrand | Quelle: Getty Images
Aufgrund der hohen Intensität der Gewalttat ging der Gerichtsmediziner jedoch davon aus, dass Fabian die Verletzungen im Liegen erlitten habe. Aufgrund der hohen Intensität der Gewalttat ging der Gerichtsmediziner jedoch davon aus, dass Fabian die Verletzungen im Liegen erlitten habe. Zudem erklärte der Sachverständige, dass die Verletzungen von der Vorderseite des Körpers zugefügt worden seien.
Auch ein Brandsachverständiger sagte vor Gericht aus. Demnach habe sich das Feuer am Tatort bereits in einer fortgeschrittenen Phase befunden, als ein entsprechendes Foto aufgenommen wurde. Eine exakte zeitliche Einordnung sei jedoch nicht möglich.
Außerdem erklärte der Gutachter, dass ein konkretes Zündmittel nicht mehr festgestellt werden konnte. Auch mögliche Rückstände eines Brandbeschleunigers seien nur eingeschränkt nachweisbar gewesen. Nach Angaben des Sachverständigen könnten entsprechende Stoffe nach mehreren Tagen nur noch schwer festgestellt werden, insbesondere wenn nur geringe Mengen verwendet worden seien.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker (l.), die Verteidiger des Angeklagten, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Im Gerichtssaal wurde zudem darüber gesprochen, dass Ermittler zunächst auch andere Szenarien geprüft hatten. Diese Möglichkeiten seien jedoch im Laufe der Untersuchungen verworfen worden. Die Aussagen der Sachverständigen stützten nach Ansicht der Ermittler den bisherigen Stand der Anklage.
Fabian war laut Anklage am 10. Oktober 2025 nahe eines Tümpels bei Klein Upahl getötet und anschließend angezündet worden. Angeklagt ist die 30-jährige Gina H., die sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert hat.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Das Landgerichtsgebäude vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der Fall hatte bundesweit Aufmerksamkeit erregt und in der Region große Betroffenheit ausgelöst. Viele Menschen verfolgen den Prozess seit Wochen mit großem Interesse. Vor dem Gerichtsgebäude versammeln sich regelmäßig Zuschauer und Medienvertreter, um die Entwicklungen im Verfahren zu verfolgen.
Der Prozess wird fortgesetzt. In den kommenden Verhandlungstagen sollen weitere Sachverständige und Ermittler aussagen.
Am achten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow rückten Schuhabdrücke und das Verhalten der Angeklagten am Fundort in den Mittelpunkt. Was ein Polizist vor Gericht schilderte, ließ aufhorchen.
Der achte Prozesstag
Am Dienstag, 2. Juni 2026, fand vor dem Landgericht Rostock der achte Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian statt. Über 150 Fotos vom Fundort der Leiche unweit von Klein Upahl wurden gezeigt – darunter auch detaillierte Aufnahmen des nahezu vollständig verbrannten Leichnams.
Der Vorsitzende Richter Holger Schütt warnte die rund 90 Zuschauer im Gerichtssaal vorab vor den belastenden Bildern. Wer dies nicht ertragen könne, solle den Saal besser verlassen.

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Hinzu kam eine detaillierte 3D-Tatortrekonstruktion, durch die Abstände am Fundort exakt bestimmt werden konnten. Als der Leichnam Fabians auf den Fotos zu sehen war, vergrub die Angeklagte zeitweise ihr Gesicht in ihren Händen.
„Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor”
Besonders aufmerksam verfolgten die Zuschauer die Aussage des Polizisten, der am 14. Oktober 2025 als erster Beamter am Fundort der Leiche war. Gina H. hatte an diesem Tag die Polizei informiert, dass sie den Leichnam des Achtjährigen zufällig bei einem Spaziergang mit einer Freundin entdeckt habe.
Der Beamte schilderte vor Gericht, dass Gina H. und ihre Begleitung aufgeregt gewesen seien.
„Beide wirkten nicht tief betroffen”, ergänzte er. Das habe ihn gewundert.

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Doch ein Detail ließ den Polizisten nicht los: Gina H. habe vor Ort mehrfach ungefragt darauf hingewiesen, dass möglicherweise Spuren von ihr am Tümpel zu finden seien – weil sie dort das Kind gefunden habe.
„Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor. Als Polizisten wissen wir sowas ja. Es machte uns ein bisschen stutzig, dass das von allein kommt”, zitiert Bild.de den Beamten aus dem Gerichtssaal laut merkur.de.
Ein weiteres Detail: die Begleitung mit Krücken
Ein zweites Detail beschäftigte die Ermittler ebenfalls. Gina H. hatte angegeben, gemeinsam mit ihrer Begleitung einen Hundespaziergang gemacht zu haben. Der Polizist berichtete dem Gericht jedoch, dass die zweite Frau „nicht gut zu Fuß” gewesen sei.
Schuhabdrücke nahe der Leiche
Am Nachmittag wurde Gutachter Hans-Joachim L., Experte für Schuhabdrücke, aufgerufen. Die Spurensicherung hatte rund um den Tümpel Abdrücke festgestellt, die möglicherweise der Angeklagten zuzuordnen sind. Besonders auffällig: rosa-weiße Sportschuhe der Marke „Pammys” – deren mutmaßliche Abdrücke sich nahe des Leichnams fanden.
Allerdings waren die Abdrücke zu undeutlich für eine eindeutige Zuordnung.
„Das ist ein Allerweltsschuh und lässt keine Rückschlüsse auf die Angeklagte zu”, so ein Pflichtverteidiger.
Insgesamt untersuchte Gutachter L. fünf Schuhpaare. Zwei Paare der Größe 43 wiesen keine individuellen Merkmale auf, die eine eindeutige Zuordnung erlaubt hätten.
Anders verhielt es sich bei einem schwarzen Paar Gummistiefel mit Profil – deren abgelaufene Sohlen passten laut Gutachter genau zu den Abdrücken. Diese fanden sich jedoch nur im Feld rund um den Tümpel, nicht in der Nähe des Leichnams.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Fabian kam lebend am Tümpel an
Auch mehrere Abdrücke, die von Fabians Schuhen stammen könnten, wurden am Tümpel gefunden. Da die Schuhe des Jungen fast vollständig verbrannt waren, hatten die Ermittler neue Exemplare bestellt und mit den Abdrücken im Ufersaum verglichen.
Die Staatsanwaltschaft schloss daraus, dass Fabian noch am Tümpel herumgelaufen ist – und keineswegs bereits tot von einem anderen Tatort dorthin gebracht wurde.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Dass die Angeklagte am Tümpel war, stellte auch die Verteidigung nicht in Abrede. Einen konkreten Zeitpunkt ließen die Spuren aber nicht erkennen.
Prozess wird verlängert – bricht Gina H. ihr Schweigen?
Der Prozesstag endete mit einer unerwarteten Ankündigung: Die Verteidigung schloss nicht aus, dass Gina H. noch in diesem Monat ihr Schweigen brechen könnte – allerdings erst, nachdem sie weitere Zeugenaussagen abgewartet hat.
Richter Holger Schütt hatte bereits zuvor angekündigt, dass mindestens zehn weitere Verhandlungstermine nötig seien – nun sollen zusätzliche Termine bis Anfang September festgelegt werden.
Am Donnerstag soll der Gerichtsmediziner den Obduktionsbericht vorstellen. Die Anwältin von Fabians Mutter beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit – mit Verweis auf die postmortalen Persönlichkeitsrechte des Jungen. Das Gericht wird erst zu Beginn des neunten Prozesstages darüber entscheiden.

Ein Justizbeamter begleitet den Angeklagten in den Sitzungssaal des Landgerichts Rostock, 2. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
Der achte Verhandlungstag im Mordprozess um Fabian brachte Bilder, die kaum jemand ertragen konnte. Und eine Angeklagte, die sich wegdrehte – aber auf eine Art, die auffiel.
Richter Holger Schütt hatte schon am Vortag gewarnt. Am Dienstagmorgen warnte er erneut: Die Bilder, die heute gezeigt würden, seien schwer zu ertragen. Wer das nicht aushält, solle den Saal verlassen. Einige taten es. Andere blieben – und sahen, wie Gina H. reagierte.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Als die Detailaufnahmen von Fabians Leiche auf den Leinwänden und Bildschirmen im Gerichtssaal erschienen, schaute die Angeklagte unter sich. Sie sah die Bilder nicht an. Kurz darauf beugte sie sich nach vorn und vergrub den Kopf in den Händen.
Fabians Mutter Dorina L. war nicht da. Sie bleibt dem Verfahren fern, solange solche Aufnahmen gezeigt werden. Auch am Donnerstag wird sie fehlen – dann soll ein Rechtsmediziner aussagen.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der achte Verhandlungstag stand ganz im Zeichen des Tatorts. Polizeibeamte und Sachverständige schilderten, was sie am 14. Oktober 2025 vorfanden.
Ein Kriminaltechniker erläuterte die 3D-Dokumentation des Fundorts mit einem Hochleistungsscanner, der mit bis zu zwei Millionen Lasermessungen in einem 360-Grad-Umkreis arbeitete. Drohnenaufnahmen zeigten Fußspuren am Tatort – Gummistiefelabdrücke und Schuhabdrücke der Marke „Pammy”, die Gina H. zugeordnet werden. Direkt neben Fabians Spuren.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, die Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, erheben sich im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der Textilgutachter reichte noch ein Bild des Pullovers nach, von dem die Faser unter Fabians Daumennagel stammen soll – ein blauer Pullover mit weißem Aufdruck „M” auf der linken Brust. Er gehört Gina H.
Oberstaatsanwalt Harald Nowack fasste die Erkenntnisse am Ende des Verhandlungstages zusammen:
„Fabian hat vor einem relativ hohen Strauch von etwa 90 Zentimeter Höhe in einer Senke gelegen. Unter den aufgefundenen Schuhspuren wurde eine Vielzahl der Fußspuren der Schuhmarke Pammy gefunden, die auch bei der Angeklagten aufgefunden werden konnte. Auch gemeinsam mit den anderen Spuren des Fabian. Weg vom Auffindeort, weg vom Weg. Es hat also eindeutig eine Bewegung stattgefunden.”

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Justizbeamter (v. l. n. r.) begleitet die Angeklagte in den Gerichtssaal des Landgerichts zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Gina H.s Anwalt Andreas Ohm hielt dagegen:
„Es hat nichts Überraschendes ergeben. Es gibt kein geschlossenes Gangbild, keine Rückschlüsse auf das Alter der Spuren. Pammys sind kein No-Name-Schuh, sondern ein Allerweltsschuh. Das lässt keine einfachen Schlüsse auf meine Mandantin zu.”
Doch nicht nur die Spuren am Boden beschäftigten das Gericht. Auch das Verhalten von Gina H. an jenem 14. Oktober – als sie die Polizisten zum Fundort führte – wurde am Dienstag zum Thema.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte betritt den Gerichtssaal des Landgerichts zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der erste Zeuge des Tages, ein Polizeibeamter vom Polizeirevier Güstrow, hatte sie damals persönlich erlebt. Er war mit seiner Kollegin zur Vermisstensuche beauftragt, als über die Leitstelle der Auftrag kam, nach Klein Upahl zu verlegen. Gina H. traf er am Ortsrand – und führte ihn zum Tümpel.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Richter Schütt fragte den Beamten, wie Gina H. und ihre Begleitung auf ihn gewirkt hätten. „Wie wirkten die auf Sie?“, fragte er. Die Antwort kam klar:
„Ich hatte eher den Eindruck, dass das eine Aufgeregtheit dort vor Ort sei. Was ich erwartet hatte, war eine Niedergeschlagenheit. Das hat sich vor Ort nicht so dargestellt. Beide wirkten nicht getroffen, nicht geschockt.”
Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Die Nebenklage hat beantragt, die Öffentlichkeit für die Aussage des Gerichtsmediziners auszuschließen – darüber wird zu Beginn des nächsten Verhandlungstages entschieden. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Er war einer der Ersten, der Gina H. an jenem Oktobertag traf. Er führte ihn zum Fundort, zeigte ihm die Leiche – und verhielt sich dabei auf eine Weise, die dem Polizisten bis heute nicht aus dem Kopf geht. Am achten Prozesstag sagt er es endlich vor Gericht.
Am achten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow rückte das Gericht noch näher an den Tatort heran. Polizeibeamte und Sachverständige schilderten, was sie am 14. Oktober 2025 vorfanden – dem Tag, an dem Fabians Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl entdeckt wurde.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte betritt den Gerichtssaal des Landgerichts zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Fabians Mutter Dorina L. fehlte erneut. Sie bleibt dem Verfahren fern, solange Bilder vom Tatort gezeigt werden. Auch am nächsten Termin wird sie nicht dabei sein – dann soll ein Rechtsmediziner aussagen.
Der erste Zeuge des Tages war ein Polizeibeamter vom Polizeirevier Güstrow. Er war gemeinsam mit seiner Kollegin mit der Vermisstensuche beauftragt, als über die Leitstelle der Auftrag kam, nach Klein Upahl zu verlegen. Eine Frau hatte einen leblosen Kinderkörper gemeldet.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (vorne von links nach rechts) und Rechtsanwalt Thomas Löcker im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Am Ortsrand traf der Beamte auf Gina H. und ihre Begleitung. Sie führte die Polizisten zum Fundort der Kinderleiche. Was er dort erlebte, beschäftigt ihn bis heute.
Gina H. hatte von sich aus erwähnt, dass ihre Spuren am Fundort zu finden sein würden – weil sie das Kind dort gefunden habe. Für den Polizisten war das auffällig:
„Sie hat vorher gesagt, dass ihre Spuren da unten sind, weil sie mit ihrem Hund den Körper gefunden hat. Das ist so hängen geblieben, aber erst im Nachhinein irgendwie aufgefallen.”

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Justizbeamter (v. l. n. r.) begleitet die Angeklagte in den Gerichtssaal des Landgerichts zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Richter Schütt fragte nach, wie die Angeklagte und ihre Begleitung auf ihn gewirkt hätten. Die Antwort des Polizisten war klar:
„Ich hatte eher den Eindruck, dass das eine Aufgeregtheit dort vor Ort sei. Was ich erwartet hatte, war eine Niedergeschlagenheit. Das hat sich vor Ort nicht so dargestellt. Beide wirkten nicht getroffen, nicht geschockt.”

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, die Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, erheben sich im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Auch der Weg zum Fundort selbst ließ den Beamten aufhorchen. Eine der Begleitpersonen war offenbar nicht gut zu Fuß – und dennoch hatten sie es durch den Wald zum Tümpel geschafft:
Das hatte für mich auch so ein Geschmäckle, weil Frau M. halt nicht so gut zu Fuß war. Ich weiß nicht, ob sie mit dem Auto gehalten sind und die Hunde da laufen lassen haben oder ob sie durch den Wald gelaufen sind. Das hätte ich für mich jetzt erstmal ausgeschlossen.”

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Und noch etwas fiel ihm auf – dass Gina H. ihre Spuren so frühzeitig erwähnte:
„Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor. Als Polizisten wissen wir sowas ja. Es machte uns ein bisschen stutzig, dass das von allein kommt.”
Im weiteren Verlauf des Verhandlungstages wurden 3D-Rekonstruktionen des Tatorts gezeigt. Ein Kriminaltechniker erläuterte, wie der Fundort mit einem Hochleistungsscanner dokumentiert wurde – mit bis zu zwei Millionen Lasermessungen in einem 360-Grad-Umkreis. Die Aufnahmen ermöglichten es dem Gericht, Entfernungen und Positionen exakt nachzuvollziehen.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Drohnenaufnahmen zeigten zudem Fußspuren am Tatort: Gummistiefelabdrücke, die Gina H. zugeordnet werden, führten direkt zum Tümpel.
Nahe der Leiche und eines Jäger-Hochstands fanden sich außerdem Abdrücke von Schuhen der Marke „Pammy” – ebenfalls ihr zugeordnet. Auch Fabians Fußspuren waren in der Nähe des Fundorts erkennbar.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Gegen Mittag wurden Fotos vom Handy der Angeklagten gezeigt, die sie am Tattag an einen Bekannten geschickt hatte. Eines zeigt sie in ihrem Auto mit einem Peace-Zeichen, ein weiteres ihr Lenkrad. Kurz darauf Aufnahmen ihres Autos von außen – mit geöffneten Türen, zu verschiedenen Uhrzeiten.
Was all diese Bilder über ihren Aufenthaltsort und ihre Handlungen an jenem Tag aussagen, wird das Gericht noch weiter zu klären haben. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Sie ist kaum mit dem bloßen Auge zu erkennen – und könnte dennoch zu einem der wichtigsten Indizien im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow werden.
Am siebten Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock standen keine Zeugen im Mittelpunkt, sondern Spuren. Winzige, unsichtbare, aber möglicherweise entscheidende Spuren – die nun unter dem Mikroskop eines Sachverständigen analysiert wurden.

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Mehrere Experten wurden an diesem Donnerstag gehört, darunter ein Spezialist für Textilfaseranalyse. Für sein Gutachten untersuchte er Kleidung vom Leichnam Fabians, Kleidungsstücke der Angeklagten Gina H. sowie deren Fahrzeug auf Textilfasern.
Es ist mühsame, kleinteilige Arbeit – und dennoch kann sie in einem Indizienprozess wie diesem den Ausschlag geben. Das Ergebnis ließ den Saal aufhorchen.

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Unter Fabians rechtem Daumennagel wurde eine lila-blaue Baumwollfaser gesichert. Der Sachverständige erklärte, dass diese Faser mit einem Pullover aus dem Haushalt von Gina H. übereinstimme.
Eine zweite Spur verstärkt das Bild: Am Ärmelbündchen des Jungen fand sich eine grau-grünliche Polyesterfaser – die laut dem Experten von einer Reithose der Angeklagten stammen könnte.
Gina H. ist bekannte Reiterin. Bereits in früheren Verhandlungstagen wurde erwähnt, dass am Fundort der Leiche Spuren einer Reithose gesichert worden waren. Die neue Faser am Ärmelbündchen könnte diesen Befund stützen.
Sofort stellte sich die Frage, die auch eine Schöffin laut stellte: Wie kam die Faser unter Fabians Daumennagel? Der Sachverständige konnte das nicht eindeutig beantworten. Abhängig sei es vor allem von der Körperhygiene. Ob die Faser erst am Tattag unter den Nagel gelangte, sei vollkommen unklar. Eine Übertragung könnte auch durch früheren Kontakt entstanden sein.
Der Experte betonte ausdrücklich, dass eine abschließende Bewertung kaum möglich sei. Es lasse sich nicht sagen, wie es zu einer Spurenübertragung gekommen sei. Die Fasern sind Indizien – keine Beweise. In einem Prozess, der bislang stark auf Indizien beruht, ist das ein wichtiger Unterschied.

27. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Neben den Faserspuren wurden im Laufe des Verhandlungstages auch Funk- und Verbindungsdaten von Gina H.s Mobiltelefon ausgewertet. Ein Kriminalpolizist erklärte: Das Gerät sei am Tattag weder in Güstrow noch am Tatort festgestellt worden. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Gina H. ihr Handy während der mutmaßlichen Tat ausgeschaltet hatte – eine Praxis, die in den Ermittlungen bereits mehrfach thematisiert worden war.
Bevor die technischen Details präsentiert wurden, warnte Richter Holger Schütt die Anwesenden im Saal ausdrücklich. Für die Analyse seien Fotos notwendig, die nur schwer zu ertragen seien. Wer das nicht aushalte, habe jetzt die Möglichkeit, den Saal ohne Störung zu verlassen.

Die Angeklagte wartet mit Handschellen im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Fabians Mutter Dorina L., die seit Beginn des Prozesses nahezu jeden Verhandlungstag verfolgt hat, blieb am Donnerstag erstmals dem Gerichtssaal fern. Sie konnte diese Bilder nicht ertragen. Es war das erste Mal seit Prozessbeginn, dass sie fehlte.
Der Sachverständige analysierte anhand der Aufnahmen auch die Kleidung, die Fabian am Tag seiner Ermordung getragen hatte. Demnach trug der Junge ein grau-meliertes Sweatshirt und eine blaue Jeans aus dem Discounter Lidl. Kleidung eines normalen Schultages – für ein Kind, das an diesem Morgen krank zu Hause geblieben war.

Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, der Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, erheben sich im Gerichtssaal des Landgerichts, als das Gericht zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian den Saal betritt. | Quelle: Getty Images
Insgesamt wurden zahlreiche Spuren aus verschiedenen Bereichen untersucht: vom Fundort der Leiche, aus dem Auto von Gina H., aus ihrer Wohnung in Reimershagen sowie aus den Wohnungen zweier Bekannter. Auch Gegenstände aus dem Umfeld von Fabian wurden sichergestellt – darunter eine Kapuzenjacke des Jungen und ein Hundekorb.
Ob und wie all diese Spuren am Ende zur Wahrheitsfindung beitragen, wird sich im weiteren Verlauf des Prozesses zeigen. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Ein Urteil soll Ende August oder Anfang September fallen.
6 Fotos vom 6. Prozesstag im Fall Fabian: Gina H. trägt ein dunkelblaues Seidenoutfit, während ihr Alibi durch ihre eigene Sprachnachricht widerlegt wird
In einer Sprachnachricht sprach Gina H. mit einem Bekannten darüber, was sie als Alibi angeben soll — und das schon einen Tag nach Fabians Verschwinden.
Am sechsten Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock wurde eine Sprachnachricht von Gina H. abgespielt. Sie schickte die Nachricht am 11. Oktober um 17:58 Uhr an ihren Bekannten Christian D.:
“Ich hab Olaf gefragt, ob schon irgendwas in Reimershagen los ist. Und zum Thema Alibi, wo ich war … ich wollte nicht sagen, dass wir zusammen waren, sonst wirst du mit reingezogen. Ich hab Olaf gesagt, ich war mit Leo spazieren. Und er hat gesagt wir sollen einfach sagen, dass wir den ganzen Tag zusammen waren.“

Die Angeklagte Gina wartet mit Fußfessel im Gerichtssaal auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Images
Als die Suche nach dem achtjährigen Fabian aus Güstrow im Oktober 2025 auf Hochtouren lief, gab Gina H. der Polizei offenbar nur eine lückenhafte Version ihres Tagesablaufs. Eine Polizeibeamtin sagte vor Gericht aus, dass sie die 30-Jährige damals in Reimershagen aufsuchte — da Gina H. als ehemalige Partnerin von Fabians Vater den Jungen persönlich kannte.
Damals soll Gina H. gesagt haben, als Fabian am 10. Oktober verschwand, habe sie den ganzen Tag in ihrem Pferdestall gearbeitet. Ob die Polizistin damals aktiv nach einem Alibi gefragt hatte oder ob Gina H. von sich aus zu erzählen begann — daran konnte sie sich vor Gericht nicht mehr erinnern.

Angeklagte Gina.H und ihr Anwalt Andreas Ohm im Mordprozess im Fall Fabian, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Images
Fabians Vater bekam von ihr später eine detailliertere Version: Sie sei nicht nur im Stall gewesen, sondern auch in Güstrow auf dem Weg zur Bank — und habe danach einen Bekannten getroffen. Als sie bereits in Untersuchungshaft saß, schilderte sie ihm noch eine weitere Version der Ereignisse.
Das Messer vom Parkplatz ist nicht die Tatwaffe
Monatelang sorgte ein Messer, das in einem Mülleimer auf einem Parkplatz in Güstrow gefunden wurde, für Aufsehen. Nach Abschluss der kriminaltechnischen Untersuchung durch das Landeskriminalamt stand fest: Weder Spuren von Fabian noch von der Angeklagten Gina H. wurden auf dem Messer gefunden.
Dass das Messer zunächst von der Polizei ignoriert wurde, hatte im Gerichtssaal für Streit gesorgt. Verteidiger Thomas Löcker warf den Ermittlungsbehörden mangelnde Sorgfalt vor.

Die Angeklagte Gina wartet im Gerichtssaal auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Images
Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter Dorina L., sah das anders — sie kommentierte den Fund trocken:
„Nicht einmal eine Nebelkerze, sondern ein Nebelteelicht.”

Die Angeklagte Gina mit ihren Anwälten Andreas Ohm und Thomas Löcker erheben sich beim Eintreten des Gerichts, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Imageseck/picture alliance via Getty Images)
Der achtjährige Fabian wurde am 10. Oktober 2025 mit mindestens sechs Messerstichen getötet. Anschließend wurde sein Körper in Brand gesetzt — laut Staatsanwaltschaft, um Spuren zu beseitigen. Die eigentliche Tatwaffe bleibt bis heute verschwunden.
Geheimnisvolles Foto vom Tatort-Feuer
Eine unbekannte Person hat am Tatort ein Foto des Feuers gemacht. Am sechsten Prozesstag sollen laut Gerichtssprecherin Anne Kruse zwei Zeuginnen aussagen, „die Beobachtungen zu Rauch bzw. Feuer am späteren Fundort tätigten.” Auf BILD-Anfrage bestätigte die Sprecherin, dass auch das Feuer-Foto Thema sein wird.
Das Foto tauchte erstmals am 5. November 2025 in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst” auf. Laut Staatsanwaltschaft wurde es von einer Zeugin aufgenommen, die sich am 10. Oktober zwischen 11 und 15 Uhr in der Nähe des Tümpels aufgehalten haben soll — also genau dann, als Fabian gestorben sein soll. Wer diese Frau ist und warum sie das Feuer fotografierte, ist bisher unklar.
Was kommt als nächstes?
Der nächste Verhandlungstag am 28. Mai bringt mehrere Gutachten: Untersucht werden unter anderem Textilspuren, Verbindungsdaten sowie die digitalen Aufzeichnungen des Ford Rangers der Angeklagten. Zudem analysiert ein Sachverständiger die Blutspuren am Tatort.
Gina H. hat sich bislang nicht vor Gericht geäußert. Bis zu einem möglichen Urteil gilt für sie die Unschuldsvermutung. Inzwischen ist sie erneut mit Fabians Vater zusammen.

Die Angeklagte Gina mit ihren Anwälten Andreas Ohm und Thomas Löcker im Mordprozess im Fall Fabian, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Images
Der Fall Fabian
Wir berichteten über den Fall: Alles, was man über den Tod des achtjährigen Jungen aus Güstrow wissen muss — vom Verschwinden bis zur Anklage.

Die Angeklagte Gina wartet im Gerichtssaal auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Images
Der fünfte Prozesstag im Mordfall Fabian hielt mehrere überraschende Momente bereit – darunter eine Zeugin, die das Gericht mit ihren Antworten fassungslos zurückließ, und eine Polizistin, deren Aussagen Fabians Mutter zu Tränen rührten.
Am Landgericht Rostock wird seit dem 28. April 2026 der Mordprozess gegen Gina H. verhandelt. Die 30-Jährige soll den achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend angezündet haben. Als mutmaßliches Motiv gilt die Eifersucht auf das Kind nach der Trennung von Fabians Vater. Gina H. schweigt bislang zu den Vorwürfen. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Angeklagte im Mordprozess wird in den Gerichtssaal des Landgerichts geführt. | Quelle: Getty Images
Der fünfte Prozesstag brachte eine kurzfristige Planänderung. Statt der ursprünglich vorgesehenen Polizistin wurde zunächst die Mutter von Fabians Vater, Monika R., als erste Zeugin in den Stand gerufen.
Die 62-Jährige sollte Erkenntnisse über das familiäre Umfeld des Jungen liefern – über seine Beziehung zum Vater, zu Gina H. und über den Wiederaufbau des Kontakts in den Monaten vor seinem Tod.
Was dann folgte, überraschte den gesamten Saal.

Internetnutzer kommentieren die neuesten Entwicklungen im Mordprozess im Fall Fabian. | Quelle: youtube.com/watch?v=GIxmwoHf2_M
Monika R. antwortete auf die meisten Fragen mit Schweigen, mit Erinnerungslücken oder mit schlichten Verneinungen. Ihr Auftritt verlief so ungewöhnlich, dass sogar Richter Holger Schütt mehrfach innehalten musste. Dabei trug sie ein T-Shirt mit dem Aufdruck: „Don’t worry, beer happy.”
Schütt fragte die Zeugin direkt: „Wissen Sie, was mit Fabian passiert ist?” – „Nein”, antwortete die Oma. „Würden Sie gerne wissen, was mit ihm passiert ist?” – „Nein.” Der Richter schwieg für einen Moment.

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Gerichtsvollzieher sichern den Gerichtssaal des Landgerichts zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images
Er versuchte es erneut, sanfter:
„Ich möchte gerne wissen, warum eine Oma, die ihren Enkel geliebt hat, nicht wissen möchte, was passiert ist. Vielleicht wollen Sie uns einfach helfen. Denn wir wollen wissen, was passiert ist. Dann beantworten Sie einfach meine Fragen. Denken Sie einfach noch mal kurz darüber nach.”
Die Antwort der Zeugin: „Nö.”

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, der Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Reporterin Isabel Pfannkuche, die den Prozess für BILD vor Ort verfolgt, kommentierte den Verlauf des Prozesstages:
„Es ist nicht zu glauben, dass sich die halbe Familie plötzlich an nichts mehr erinnern möchte. Mir fehlen wirklich die Worte. Wenn eine Oma behauptet, sie wolle nicht wissen, was ihrem Enkel passiert ist.”
Der Verlauf der ersten Hälfte des Prozesstages macht die Bild-Reporterin sprachlos.

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Gerichtsangestellter (v. l. n. r.), Rechtsanwalt Thomas Löcker, der Angeklagte und Rechtsanwalt Andreas Ohm stehen zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses im Gerichtssaal des Landgerichts. | Quelle: Getty Images
Staatsanwalt Oliver Schley äußerte den Verdacht, Fabians Vater Matthias R. könnte seiner Mutter vorab gesagt haben, wie sie sich vor Gericht verhalten solle.
Die Zeugin widersprach zunächst: „Nein. Er hat nur gesagt, ich soll sagen, wenn ich mich erinnern kann.” Auf eine weitere Frage des Staatsanwalts schwieg sie minutenlang. Anschließend wurde sie als Zeugin entlassen.
Im Laufe des Nachmittags wurde dann die Polizistin gehört, die nach Fabians Verschwinden zu dem Fall ermittelt hatte. Sie berichtete über ihre Begegnungen mit Gina H. in den Tagen rund um das Verschwinden des Kindes sowie über den Fundort der Leiche. Fabians Mutter Dorina L. verließ während der Aussage weinend den Gerichtssaal – sie konnte die Schilderungen nicht ertragen.












