Wurde die Tatwaffe im Fall Fabian endlich gefunden? Die Staatsanwaltschaft veröffentlicht jetzt ein wichtiges neues Update.

Der getötete Fabian aus Güstrow und Oberstaatsanwalt Harald Nowack: Die Tatwaffe ist bis heute nicht gefunden worden. (Collage: Heike Aßmann)Vergrößern des Bildes
Der getötete Fabian aus Güstrow und Oberstaatsanwalt Harald Nowack: Die Tatwaffe ist bis heute nicht gefunden worden. (Quelle: Bernd Wüstneck/dpa)

Im Mordfall Fabian gilt die Tatwaffe als wichtigstes Beweismittel. Von ihr fehlt jede Spur. Nun stellt die Staatsanwaltschaft neue Ergebnisse in Aussicht.

Nach heftigen Auseinandersetzungen im Prozess um den Fall des getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow untersuchen die Ermittler nun ein von einem Zeugen gefundenes Messer. Dabei soll geklärt werden, ob es sich möglicherweise um die Tatwaffe handelt, sagte der Rostocker Oberstaatsanwalt Harald Nowack im Gespräch mit t-online am Mittwoch. Das Messer sei an Spezialisten des Landeskriminalamtes übergeben worden und werde nun gründlich auf mögliche Spuren geprüft. Ein Ergebnis soll laut Nowack “schnellstmöglich” vorliegen, möglicherweise schon kommende Woche.

Der kleine Fabian war am 10. Oktober 2025 mit sechs Messerstichen, von denen zwei den Jungen direkt ins Herz getroffen hatten, getötet worden. Unter Mordverdacht steht Gina H., die Freundin von Fabians Vater. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, Fabian getötet zu haben, um die zum damaligen Zeitpunkt angespannte Beziehung zu Fabians Vater zu retten. Demnach habe sie von der Partnerschaft auch finanziell profitiert

Die Obduktion der Leiche des Achtjährigen hatte ergeben, dass er mit einem Messer mit einer Klingenlänge von mindestens zehn Zentimetern getötet worden war. Zahlreiche Messer wurden im Laufe der Ermittlungen untersucht, ganze Mülldeponien durchpflügt – doch ein Treffer blieb aus. Die Tatwaffe, auf der sich DNA und weitere wichtige Beweise befinden könnten, blieb verschwunden.

Fall Fabian: Anwälte bezweifeln Ermittlungsergebnisse

Es ist das Puzzlestück, das den Tatverdacht gegen Gina H. erhärten oder den Verdacht auf jemand anderen richten könnte. Die Verteidiger der 30-Jährigen nutzen die bislang nicht gefundene Tatwaffe gezielt, um die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft infrage zu stellen.

Das nun im Fokus stehende Messer soll – so berichtete es Fabians Vater – ein Zeuge im Dezember vergangenen Jahres in einem Mülleimer auf einem Parkplatz rund 13 Kilometer entfernt vom Tatort, ein Tümpel bei Klein Upahl, entdeckt haben. Er habe das Messer mitgenommen und den Fund der Polizei gemeldet, doch diese habe kein Interesse gezeigt, hieß es. Überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

Mordfall Fabian: Messerfund löst neue Dynamik aus

Klar ist: Gina H.s Verteidiger wussten bereits seit einiger Zeit von dem Fund des Messers – und dass dieses bislang nicht untersucht wurde, sich also weiter in der Wohnung des Zeugen befand. Bereits am ersten Prozesstag machte der Wahlverteidiger der Angeklagten, Thomas Löcker, eine Ankündigung: “Fabians Vater wird eine Sache sagen, die Sie umhauen wird.” Damit meinte er offensichtlich den Fund des Messers.

Fabians Vater ist für die Verteidiger der 30-Jährigen der zentrale Ankerpunkt: Er glaubt fest an die Unschuld seiner Partnerin, von der er sich im August 2025 zwischenzeitlich getrennt hatte. Nach dem Tod seines Sohnes näherten er und Gina H. sich wieder an und sind inzwischen seiner Aussage zufolge wieder ein Paar. Er besucht sie alle zwei Wochen in der Untersuchungshaft. “Ich weiß kein Motiv, warum sie das hätte gemacht haben sollen. Dafür kenne ich diese Frau zu lange. So etwas könnte sie gar nicht bewerkstelligen”, sagte Fabians Vater vor Gericht – auch wenn er kurz nach dem Tod seines Sohnes einer Polizistin gesagt hatte, er würde Gina H. alles zutrauen.

Vater von Fabian spricht über gefundenes Messer

Am nächsten Prozesstag, zwei Tage später, kam es wie von Löcker vorhergesagt: Fabians Vater sprach über das von einem Zeugen gefundene Messer, mit dem er nach eigener Aussage lose bekannt sei. Löcker nutzte die Bühne im Gerichtssaal daraufhin öffentlichkeitswirksam, um die Ermittler anzugreifen: Der Prozesstag war schon fast beendet, da ging der erfahrene Verteidiger verbal auf Oberstaatsanwalt Nowack los. “Wo ist Ihre Leidenschaft als Ermittler? Das kann doch wohl nicht wahr sein”, wütete Löcker.

Thomas Löcker, Anwalt der Angeklagten Gina H. im Mordfall Fabian: Er geht von einer Überraschung am zweiten Prozesstag aus.Vergrößern des Bildes
Thomas Löcker, Anwalt der Angeklagten Gina H. im Mordfall Fabian: Für ihn ist Fabians Vater ein zentraler Zeuge. (Quelle: t-online)

Oberstaatsanwalt Nowack konterte im Prozess den Angriff des Anwalts: “Meine Leidenschaft werden Sie noch mitbekommen.” Zu t-online sagte Löcker im Anschluss: “Die Staatsanwaltschaft hätte sofort nach der Adresse des Fundorts fragen und dieses Messer sicherstellen müssen.”

Am darauffolgenden Prozesstag deutete auch der Vorsitzende Richter an, dass er sich durchaus für das Messer interessiere. Er wies die Staatsanwaltschaft an, sich mit dem Finder in Verbindung zu setzen und das Messer zu untersuchen.

Angeklagte im Fall Fabian: Viele Indizien gegen Gina H.

Angeklagte Gina H. im Fall Fabian im Saal des Landgerichts Rostock.Vergrößern des Bildes
Die Angeklagte Gina H. im Fall Fabian im Saal des Landgerichts Rostock: Sie und Fabians Vater sind wieder ein Paar. (Quelle: Bernd Wüstneck/dpa)

Für die Verteidiger sind mögliche Lücken in der Beweisführung der Staatsanwaltschaft auch deshalb so entscheidend, weil der Prozess im Fall Fabian aus ihrer Sicht bisher nicht optimal läuft: Im Laufe der ersten vier Prozesstage präsentierte die Staatsanwaltschaft zahlreiche Indizien, die für Gina H. als Täterin sprechen.

So nahm eine Überwachungskamera den orangefarbenen Ford Ranger der Angeklagten im tatrelevanten Zeitraum nahe der Wohnung in Güstrow auf, in der Fabian mit seiner Mutter lebte. Gina H. googelte zudem laut Auswertung ihres Handys: “Fressen Wildschweine tote Menschen?” Zum Zeitpunkt der Anfrage galt der Achtjährige noch als vermisst.

Versuche, ihre Mandantin in ein besseres Licht zu rücken, scheiterten: Als Löcker am dritten Prozesstag eine von Gina H. geschriebene – einfühlsam und liebevoll formulierte – Trauerrede für Fabian vortrug, konterte der Vorsitzende Richter, indem er das Ergebnis der Handyauswertung präsentierte: Gina H. hatte die Rede demnach mit ChatGPT, einer Künstlichen Intelligenz, schreiben lassen. Der mühsam erweckte Eindruck der harmlosen, trauernden Gina H. – er war innerhalb von Sekunden wieder dahin.

Prozess im Mordfall Fabian dauert länger

Dass es sich bei dem nun untersuchten Messer tatsächlich um die Tatwaffe im Fall Fabian handelt, gilt dennoch als eher unwahrscheinlich. Oberstaatsanwalt Nowack sagte t-online, es sei durchaus denkbar, dass ein völlig Unbeteiligter das Messer – wie nicht unüblich – in einem öffentlichen Mülleimer entsorgt hat. Dafür spricht laut ihm auch der Abstand zwischen Tat und Fund: Fabian wurde Mitte Oktober getötet, das Messer aber erst im Dezember gefunden. Außerdem monierte er, die Verteidiger hätten den Antrag schon viel früher stellen können – nicht erst, als der Prozess längst in vollem Gange war.

Der Prozess im Mordfall Fabian hatte am 28. April begonnen. Zunächst waren insgesamt 17 Verhandlungstage bis Anfang Juli angesetzt. Allerdings ist jetzt schon absehbar, dass der Prozess länger dauern wird. Das Gericht kündigte weitere zehn Termine an. Im Falle eines Mordurteils droht Gina H. eine lebenslange Freiheitsstrafe. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für die 30-Jährige die Unschuldsvermutung.

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