Zusammenfassung des 4. Prozesstages im Fall Fabian

Am vierten Verhandlungstag schildert eine Zeugin, wie einsam Fabian sich fühlte. Ihre Aussagen treiben der Mutter die Tränen in die Augen.

Rostock – Der Mordprozess gegen Gina H. geht in die vierte Runde. Am jüngsten Verhandlungstag traten Freunde des getöteten Fabian in den Zeugenstand – darunter auch die Mutter seines engsten Schulkameraden. Was sie berichtete, sorgte für einen emotionalen Moment im Gerichtssaal.

Der Prozess um den getöteten Fabian geht weiter. Angeklagt ist die 30-jährige Gina H.
Der Prozess um den getöteten Fabian geht weiter. Angeklagt ist die 30-jährige Gina H. © Bernd Wüstneck/dpa | Privat

Bereits seit der Kindergartenzeit habe sie den Jungen gekannt, erklärte die Frau vor Gericht. „Fabi war letztes Jahr sehr viel bei uns gewesen“, sagte sie dem Stern zufolge. Richtig eng seien ihr Sohn und Fabian erst 2025 geworden. „Ich habe ihn sehr lieb gehabt, er ist in unsere Familie reingewachsen und hat sich sehr wohl bei uns gefühlt.“ Häufig habe der Achtjährige bei ihnen übernachtet. Reagierte er einmal zornig, wenn er etwas nicht bekam, sei das „aus Traurigkeit“ geschehen, so die Zeugin.

Zeugin kannte Fabian seit dem Kindergarten

Dem Nordkurier zufolge schilderte sie außerdem, dass Fabian sich schon lange sehr allein gefühlt habe. „Der Junge hat bei uns nach Liebe gesucht“, sagte die Frau vor Gericht. Am Wochenende habe sie manchmal drängen müssen, damit er überhaupt nach Hause ging. Auch spätabends sei er oft allein gewesen – seine alleinerziehende Mutter habe lieber mit Freundinnen und Freunden im Garten gesessen und dort Alkohol getrunken. „Fabi war immer hungrig“, berichtete die Zeugin laut Nordkurier.

Anfang 2025 habe Fabian ihr erzählt, wie er beobachtet hatte, dass sein Vater eine Frau schlug. Danach habe er ihn nicht mehr sehen wollen. „Das hat ihn belastet“, so die Zeugin dem Stern zufolge. Sie habe nicht weiter nachgebohrt und versucht, ihn auf andere Gedanken zu bringen.

Nach den Sommerferien änderte sich das Verhältnis zum Vater jedoch schlagartig. „Eigentlich war nur noch sein Vater interessant gewesen“, erinnerte sich die Frau. Fabian sei ab da viel seltener zu ihnen gekommen und habe kaum noch bei ihnen geschlafen.

Aussage trifft Fabians Mutter hart

Die Schilderungen der Zeugin lösten bei Fabians Mutter Dorina L. eine sichtbare Reaktion aus, wie t-online und Stern berichten. Tränen schossen ihr im Gerichtssaal in die Augen. Besonders eine Aussage habe sie hart getroffen: Am Dienstag vor seinem Verschwinden sei Fabian noch bis abends zum Spielen beim Freund gewesen und habe dort auch übernachten wollen. Als die Mutter des Freundes ihn auf seine eigene Mutter ansprach, soll Fabian gesagt haben: „Ich glaube, meine Mutti ist froh, wenn ich nicht da bin.“ Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage lässt sich nicht überprüfen.

Am Donnerstag, dem Tag vor seinem Verschwinden, sah die Zeugin Fabian zum letzten Mal. Er kam mit ihrem Sohn zu ihr nach Hause – doch sie ließ ihn nicht in die Wohnung, weil ihr Sohn zum Basketballtraining musste. Fabian reagierte bockig. „Er hat sein Fahrrad vor der Haustür hingeschmissen. Dann habe ich die Tür zugemacht.“

Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch gegen Fabians Vater

Für einen weiteren überraschenden Moment sorgte der Beginn des Verhandlungstages: Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass Ermittlungen gegen Fabians Vater wegen des Verdachts der Falschaussage eingeleitet wurden, berichtete t-online.de. Der 35-Jährige hatte sich am zweiten und dritten Prozesstag in Widersprüche verstrickt und frühere Aussagen gegen die Angeklagte relativiert.

Seit November 2025 sitzt die 30-jährige Gina H., die Freundin von Fabians Vater, in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Jungen am 10. Oktober 2025 mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend angezündet zu haben, um Spuren zu vernichten. Laut Anklage soll sie versucht haben, mit der Tat einen Streitpunkt in der Beziehung zu Fabians Vater aus dem Weg zu räumen. Die Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen. Für sie gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung. (Quellen: Stern, Nordkurier, t-online) (tt)

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