Fall Fabian: Gina H. soll Alibi mit Nachbarn abgesprochen haben

Im Mordprozess zum Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow hat ein Zeuge berichtet, er habe mit der Angeklagten ein Alibi abgesprochen. Auch sei er mit ihr am Tatort gewesen, bevor sie den Fund des Leichnams meldete.

von Andreas Frost

Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow hat ein Nachbar der Angeklagten berichtet, dass auch er mit ihr nachts an jenem Tümpel bei Klein Upahl (Landkreis Rostock) war, an dem der Leichnam einen Tag später offiziell gefunden wurde. Beide hätten neben dem Leichnam gestanden, sagte der 58-jährige Zeuge am Dienstag vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Rostock. Als er mit einer Taschenlampe ins Gesicht geleuchtet habe, sei sich Gina H. sicher gewesen, dass es Fabian war. Sie habe keine Reaktion gezeigt. “Weinen, schreien, Bestürzung?” hakte der Vorsitzende Richter nach. Der Zeuge antwortete: “Nichts.”

Angeklagte hat laut Zeuge gelacht

Später in dieser Nacht, so der Zeuge, habe Gina H. gelacht – weil sie schon so viel geweint habe, dass sie nicht mehr weinen könne, habe sie erklärt. Am selben Abend, drei Tage nach dem Verschwinden Fabians am 10. Oktober 2025, war die 30-Jährige bereits mit einem anderen Bekannten am mutmaßlichen Tatort. Da dieser Bekannte nicht sicher war, ob sie Fabian gefunden hatten, habe Gina H. ihn mit zum Tümpel genommen, sagte der Nachbar.

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Polizei nicht informiert

Obwohl er sicher war, einen toten Menschen gesehen zu haben, ging der Mann nicht zur Polizei. Er fürchtete, dass ihm die Geschichte nicht geglaubt würde und wollte die Nacht darüber schlafen. Am nächsten Morgen ging Gina H. allerdings mit einer Freundin nach Klein Upahl und meldete der Polizei, sie habe Fabian gerade zufällig während eines Spaziergangs entdeckt. Die Frau wird am Donnerstag als Zeugin gehört.

Alibi für Gina H. abgesprochen

Der Nachbar konnte dem Gericht von drei weiteren Begebenheiten berichten, die auf Gina H. kein gutes Licht werfen. Sie sprach mit ihm genau für jene Zeiträume ein Alibi ab, in denen Fabian den Ermittlungen zufolge am 10. Oktober getötet und später angezündet worden sein soll. Die Staatsanwaltschaft fand es bemerkenswert, dass die Angeklagte sich dieses Alibi verschaffte, als Fabian noch gesucht wurde und sein Tod noch nicht bekannt war.

Die Angeklagte im Fall Fabian im Gerichtssaal.

Fall Fabian (13): Alibi-Absprache mit dem Nachbarn?

Ein Zeuge belastet die Angeklagte. Sie habe mit ihm ein Alibi abgesprochen. Und er war an der Leiche – vor der Polizei.

Der Nachbar behauptete, er habe nicht mehr gewusst, was er an jenem Tag gemacht habe. Darum sei er dankbar gewesen, als Gina H. ihm half, sich an die angeblich gemeinsam verbrachten Stunden zu erinnern. In den Wochen bis zu ihrer Verhaftung drängte die 30-Jährige ihn immer wieder, bei der Polizei bei der Absprache zu bleiben. “Wenn du was sagst, was nicht passt, dann kommen die und holen mich weg“, soll Gina H. gesagt haben.

Turnschuhe zum Aufbewahren vorbeigebracht

Wenige Tage nach dem Fund des Leichnams brachte Gina H. ihm vier Paar ihrer Turnschuhe, er solle sie beiseitestellen. “Sie sollten wohl bei ihr nicht gefunden werden”, vermutet der Nachbar, der damals immer noch hoffte, dass Gina H. mit dem Fall Fabian nichts zu tun hat. Kurz darauf brachte er die Schuhe zurück: “Das war mir zu heiß.” Schuhabdrücke dieser Marke wurden auch am Tümpel bei Klein Upahl gesichert.

Messer im Schuppen vermisst

Außerdem vermisste der Nachbar ein Messer aus seinem Schuppen. Eine Suche gemeinsam mit seiner Nachbarin Gina H. verlief zunächst erfolglos. Nach seiner Mittagspause fand er das Messer in einer Werkzeugkiste, die er vorher noch intensiv durchwühlt hatte. Er meldete den Vorfall der Polizei, damit ihm niemand etwas anhängen kann. Die Messerklinge ist zehn Zentimeter lang. Mit einem Messer dieser Größe soll auch Fabian erstochen worden sein. Am Messer des Nachbarn wurden keine Spuren gefunden.

Irgendwann änderte der Nachbar seine Aussage bei der Polizei, wann er mit Gina H. am Tag von Fabians Verschwinden zusammen war. Ihm waren immer mehr Ungereimtheiten bei Gina H. aufgefallen. Außerdem halfen ihm die Ermittler mit ihren Ermittlungsergebnissen auf die Sprünge. Da bröckelte offenbar ihr Alibi. Als sie festgenommen wurde, brach er den Kontakt mit ihr ab. Denn “so eine Festnahme kommt nicht ohne Grund”, fand der Zeuge.

Angeklagt wegen heimtückischen Mordes

Gina H. war vier Jahre lang die Lebensgefährtin von Fabians Vater. Er hatte sich im August 2025 von ihr getrennt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr heimtückischen Mord vor, sie habe Fabian aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt, ihn bei Klein Upahl erstochen und die Leiche angezündet. Die Ermittler vermuten, dass Gina H. glaubte, Fabian stünde einer Wiederbelebung ihrer Beziehung zu Fabians Vater im Weg. Vor Gericht schweigt die Angeklagte bislang. Der Prozess hatte im April begonnen und wird voraussichtlich bis in den September hinein dauern.

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